Wie gelingt Klimakommunikation, Herr Ranft?

Shownotes

Klimawandel und Wohnungswirtschaft – das klingt zunächst nach Technik, Dämmung, Wärmepumpe und Energiekennwerten. In dieser Folge spricht Stefan Bürger mit Thomas Ranft, Wissenschaftsjournalist, ARD-Wettermoderator und Keynote Speaker, darüber, warum es in Wahrheit mindestens genauso sehr um Menschen, Emotionen und gute Kommunikation geht.

Thomas Ranft nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: Dämmung ist wichtig – aber ein Haus „zu Tode zu dämmen“ macht keinen Sinn. Wer CO₂-freie Energie selbst produziert, muss nicht mehr jeden Quadratmeter optimieren. Und wer Mieterinnen und Mieter wirklich mitnehmen will, erreicht sie nicht über Appelle allein, sondern über verständliche, emotionale und alltagsnahe Kommunikation.

Es geht um die Frage, warum die letzten 20 Prozent Energieeinsparung oft unverhältnismäßig teuer werden, was das limbische System mit Wohnentscheidungen zu tun hat und weshalb sich Verhalten nicht einfach durch Fakten verändert. Thomas Ranft erklärt, was die Diffusionstheorie nach Everett Rogers für die Wohnungswirtschaft bedeutet – und warum Veränderung dann gelingt, wenn sie sozial anschlussfähig wird.

Außerdem geht es um die Folgen des Klimawandels für Gebäude, Quartiere und Wohnumfelder: um Balkone, Fassaden, Gebäudetechnik, Wärmepumpen, Kühlung und den unterschätzten Wert von Grünflächen. Im Gespräch wird klar, dass Klimaanpassung nicht nur im Heizungskeller entschieden wird, sondern auch vor der Haustür – durch Bäume, Verdunstungskühlung, Schwammstadt-Prinzipien und Aufenthaltsqualität.

Und schließlich geht es um die große Kommunikationsaufgabe der kommenden Jahre: Wie können Wohnungsunternehmen erklären, warum energetische Maßnahmen notwendig sind, ohne Menschen zu überfordern? Wie wird aus Klimaschutz ein Thema, das nicht belehrt, sondern überzeugt? Und was lässt sich aus traditionellem Bauen – vom Schwarzwaldhaus bis zur Verschattung – für eine Wohnungswirtschaft lernen, die Gebäude nicht nur effizienter, sondern auch lebenswerter machen will?

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Stefan Bürger: Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ein ganz spannender Mann sitzt mir gegenüber und ich freue mich total, dass ich Thomas Ranft begrüßen darf. Wissenschaftsjournalist, gleichzeitig aber auch im TV als Wetterfrosch aktiv bei der ARD. Ein ganz bunter Mensch mit viel, äh, Information und Wissen über Klima, Klimaentwicklung und letzten Endes auch einer, der immer ein Schmunzeln auf dem Mund hat. Stefan Bürger: Denn wir wollen jetzt nicht ernst, aber schon nachhaltig, um den Begriff mal so zu nutzen, über Klima und Wohnimmobilien reden. Schön, dass Sie da sind, Herr Ranft. Thomas Ranft: Hallo. Stefan Bürger: Herr Ranft, wir sind in der Wohnungswirtschaft davon geprägt, seit Jahren unsere Häuser zu dämmen. Also achtzig Prozent, äh, der Investitionen, die GWH ausgibt, sind Modernisierungen in neuen Fenstern und in Kunststoffen, die wir als Dämmmaterial vor die, vor die Wand kleben. Stefan Bürger: Muss das immer so weitergehen?

Thomas Ranft Die korrekte Antwort, egal auf welche Frage, also die korrekte wissenschaftliche Antwort,: lautet entweder: "Das kann man so nicht sagen", oder: "Es kommt darauf an". Und beides trifft hier auch zu. Stefan Bürger: Ja. Thomas Ranft: Weil es macht ja überhaupt keinen Sinn, dass ich irgendwo wohne, wo der Wind durchpfeift und ich sofort drinnen merke, wie sich draußen irgendwie das Wetter gerade ändert. Thomas Ranft: Mhm. Dann läuft schon was falsch. Also das haben die selbst schon in der Bronzezeit hinbekommen, dass sie die Bude be, dämmen. Mhm. Das haben wir durch billiges Öl über Jahrzehnte verlernt. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Und das müssen wir jetzt wieder ein bisschen zurücklernen. Aber ein Haus, ich sag's mal direkt, zu Tode dämmen, das macht überhaupt keinen Sinn. Stefan Bürger: Mhm.

Thomas Ranft Weil es geht nicht darum, letztendlich so wenig wie möglich Energie überhaupt zu benötigen. Das ist ein hehrer Ansatz, aber die letzten zwanzig Prozent der Einsparungen sind wahnsinnig teuer und völlig überflüssig, wenn ich es hinbekomme, dass die Energie, die ich da brauche in dem Haus, abseits der Behaglichkeit, wenn ich die Energie: CO₂-frei und vielleicht sogar selber auf meinem Dach produziere, dann ist es doch egal, wie viel ich verbrauche. Thomas Ranft: Mhm. Wenn ich die sowieso dahab, also die Soda-Energie, ja, dann muss ich auch nicht mehr sparen. Stefan Bürger: Ganz interessanter Ansatz. Denn über Jahre war ja das Ziel, das Zero Emission House zu haben. Also dieses Haus verbraucht keine Energie mehr. Und wie Sie sagen, der Grenznutzen ist, äh, stark fallend, die Grenzkosten sind stark steigend. Stefan Bürger: Ähm, stimmt Pareto zwanzig achtzig? Also lass uns die sin-sinnvollen Sachen baulich weiterentwickeln, aber mit 'nem guten Maß aufhören und dann eher auf 'ne CO₂-neutrale Wärmegewinnung setzen? Thomas Ranft: Auf jeden Fall. Das ist erstens das Einfachste, ich würde sagen auch das Bezahlbarste und am Ende des Tages, wir reden heute so viel über Resilienz- Stefan Bürger: Mhm

Thomas Ranft und Unabhängigkeit und, und, und. Wenn wir die Energie selber produzieren, und zwar CO₂-neutral. Dann ist das erstens und jetzt: komme ich als Klimafuzzi, dann ist das sowieso die einzige Möglichkeit, den Klimawandel zu stoppen. Den stoppen wir nicht, indem wir irgendwo Bäume, äh, aufforsten, sondern, äh, den stoppen wir nur, wenn wir endlich aufhören, Zeug zu verbrennen. Thomas Ranft: So, bin ich, dann bin ich das Problem schon mal los. Dann, wenn ich die Energie selber produziere, bleibt die Wertschöpfung bei mir, ob das nun ich bin oder die Gesellschaft oder das Land, wie auch immer. Und das Dritte ist dann tatsächlich, wenn ich das einmal investiert habe, habe ich ja eine lange Laufzeit, wo es mich gar nichts mehr kostet. Thomas Ranft: Also vielleicht noch ein bisschen Wartung, je nachdem wie. Das ist dann total entspannt. Die Dämmung ist wichtig, damit ich mich wohlfühle. Wie viele Menschen, die heute in Fünfzigerjahrewohnungen wohnen, haben das Gefühl, wenn ich auf dem Sofa sitze, ah, ich brauche noch eine Decke hinten für über die Schulter, weil da hinten ist wie so ein kalter Wasserfall, der von der Wand herkommt.

Thomas Ranft Das möchte man nicht. Menschen, die das ihr ganzes Leben lang gewohnt sind, sind das zwar gewohnt, aber wenn sie dann mal in einem Haus sitzen, wo das nicht mehr der Fall ist, denken sie sich: „Ach guck mal, so kann man auch leben. Das wollen wir schon. Stefan Bürger: Interessanter Ansatz, dass Sie, äh, über das Wohlbehagen und das Wohlbefinden, äh, einsteigen in die Diskussion. Stefan Bürger: Ich halte das nämlich auch für extrem wichtig. Wir können einem Mieter nicht zurufen: „Pass auf, du, du bist jetzt nachhaltiger in deinem Leben. Deswegen musst du ein Euro fünfzig mehr Miete bezahlen." Dämmen heißt ja auch Mieterhöhungen umsetzen. Das ist ja immer miteinander, sondern es deutlich zu machen, wir sind an deiner Wohnqualität interessiert. Thomas Ranft: Das ist eine also ganz einfache Erklärung. Wir Menschen sind zwar vernünftig, handeln aber emotional. Immer und ausschließlich. Der Teil des Gehirns, der entscheidet, ist nicht der Neocortex, also wo die ganzen Zahlen, Daten, Fakten drinsteht, wo auch die Sprache drinsteckt, sondern der Teil, der entscheidet, ist das sogenannte limbische System.

Thomas Ranft Emotionen, Vertrauen, Loyalität. Dort wird die Lebenserfahrung abgespeichert, alles, was ich erlebt habe, und zwar: in Emotionen. Immer mit dem Gefühl, das war schön oder das war nicht gut. Und sobald 'ne Information reinkommt, hören, sehen, fühlen, landet die zuerst im limbischen System und wird mit der Lebenserfahrung abgeglichen. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Hab ich so was schon mal erlebt? War das gut oder schlecht? Und dann gibt's 'n Botenstoff an den Neocortex. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Ab da wird's mir erst bewusst. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Und der Botenstoff sagt Ja oder Nein. Und dann kann ich das mit meinen Fakten abgleichen und wenn das deckungsgleich ist, dann denke ich, ich hab aufgrund der Fakten entschieden: Jo, das machen wir. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Wenn das aber nicht passt, dann druckst man so rum. Dann denkt man sich: Ja, eigentlich sollte man das ja machen, aber es fühlt sich irgendwie nicht gut an. Und dann, dann sitzen wir voreinander und ich sag: „Hey, ich hab Sie schon verstanden. Ja, das sollte man so machen, ähm, und so was. Ich kann das total nachvollziehen, aber irgendwie wissen Sie, ich weiß noch nicht."

Thomas Ranft Und dann, dann, ich finde gar keine Worte, weil der Teil des Gehirns, der entscheidet, der kann nicht sprechen. Der hat keine Sprache. Das ist 'n reines Gefühl. Und dann: mach ich's am Ende des Tages nicht. Mhm. Ja, der emotionale Teil entscheidet und ich kann den nicht fragen, weil der nicht antworten kann. Das ist so, als wenn ich jemanden frage, warum, oder, oder wenn Sie mich fragen: „Warum liebst du meine Frau?" Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Da kann ich hundert Sätze sagen, aber es gibt nie exakt das wieder, was der eigentliche Grund ist. Stefan Bürger: Das ist ein rasanter Einstieg in unser Gespräch. Feuer frei. Wir sind innerhalb von fünf Minuten beim limbischen System gelandet. Es fällt mir schwer, Sie wieder zurückzuholen aufs Bauen, aber, ähm, es ist genauso emotional, wenn wir jetzt nicht nur über Dämmung und Aufrüstung der Immobilien nachdenken, sondern auch um unser Wohnverhalten und wie es sich denn in der Zukunft vielleicht verändern wird, einfach weil wir mit klimatisch anderen Rahmenbedingungen umgehen müssen.

Stefan Bürger Ähm, wir bauen zum Beispiel ganz, ganz intensiv in der Branche die Balkone nach. Also es ist ein großes Wohnbedürfnis im Moment, äh, halt auch, sich nach außen, äh, entwickeln zu können. Viele Skeptiker sagen „Lass das mal lieber sein", weil ob der Balkon in zehn, 15 Jahren überhaupt noch so nutzbar ist,: also ob er als Wohlfühlort wahrgenommen wird oder nicht, da steht gar nicht so im Raum. Stefan Bürger: Also wie wird sich denn Wohnen verändern in den nächsten zehn Jahren? Jetzt mal abseits von, von dem Wohlfühlen im Hause selber, sondern eher mehr in unserem Wohnverhalten. Thomas Ranft: Äh, ich würde die Frage gerne splitten. Vielleicht also das mit der, um an, bei dem Balkon zu bleiben: Macht der Sinn? Würde ich, also vielleicht reden wir erst mal darüber, wie sich denn das Klima tatsächlich verändert. Stefan Bürger: Mhm.

Thomas Ranft Wenn man sich mal anschaut, was Klimawandel eigentlich bedeutet, dann bedeutet das ja nicht, wenn wir jetzt 1,5 Grad Erwärmung schon in Deutschland haben, dass einfach jede Temperatur 1,5 Grad höher ist als vor Beginn der Industrialisierung, sondern Ähm, man muss sich das so vorstellen Also wenn wir am heutigen Tag irgendwo 'ne Messstation haben und die hat vor einem Jahr die Höchsttemperatur gemessen und davor immer am gleichen: Datum, immer die gleiche Höchsttemperatur am gleichen Ort für fünfzig Jahre zum Beispiel, inklusive heute. Thomas Ranft: Dann haben wir eine schöne Klimazeitreihe. Immer die Höchsttemperatur dieses Tages über fünfzig Jahre. Und was werden wir haben? Ganz viele durchschnittliche Temperaturen für diesen Tag. Ein paar, die waren zu kalt und ein paar, die waren zu warm. Wenn man da eine Kurve drüber macht, dann sieht die aus wie eine Glocke. Thomas Ranft: Ja, in der Mitte ist ganz viel an den Rändern wenig. So ein Klimawandel hebt diese Kurve ja nicht an, sondern der schiebt die in Richtung warm. Und das ist jetzt per Ton schwierig nachzuvollziehen. Aber wenn, äh, Sie das, die Sie gerade das anhören, wenn Sie das mal versuchen, Sie machen so eine Glockenkurve und dann malen Sie eine zweite, die ein bisschen weiter rechts anfängt und genauso aussieht.

Thomas Ranft Dann werden Sie feststellen, auch mit dem Klimawandel werden wir ganz viel Durchschnittliches haben. Also wunderbare Balkontage. Die wird es auch weiterhin geben. Es wird weniger zu Kaltes geben. Das Entscheidende ist, was auf der warmen Seite passiert. Dadurch, dass die Kurven so eine Form haben und das ist: reine Mathematik, haben wir bei den Hitzetagen, bei den Extremen nicht eine Zunahme um zehn, zwanzig oder dreißig Prozent, sondern eine Vervielfachung. Thomas Ranft: Wir sehen das zum Beispiel im Vergleich zu den fünfziger Jahren haben wir in Deutschland eine Verdreifachung der Hitzetage. Es gab in den Fünfzigern im Rhein-Main-Gebiet Jahre, da hatten wir nicht einmal dreißig Grad. Da gab es keine Sondersendung, keinen Zeitungsartikel, nix. Wenn man Jugendliche heute fragt, fängt der Sommer erst bei dreißig Grad an. Thomas Ranft: Alles davor ist Frühling. Da sieht man schon, wie sich das verändert hat. Und das ist erst der Anfang. Wir verschieben das ja weiter. So, also Klimawandel bedeutet eine extreme Zunahme von Extremen. Und um jetzt wieder zurück zu dem Balkon zu kommen. Sorry . Ich kann ganz oft auf dem Balkon sitzen. An den Extremtagen geht es nicht mehr.

Thomas Ranft Vielleicht aber hilft ja der Balkon, wenn ich im ersten Stock wohne und es noch einen zweiten Stock gibt, dass: der obere Balkon mich verschattet. Das rettet mich ja auch. Stefan Bürger: Das heißt also, wir reden nicht über Schwarz und Weiß. Balkone machen zukünftig keinen Sinn, ähm, oder es verändert sich gar nichts. Stefan Bürger: Beides passiert. Sie machen Sinn, aber sie werden anders genutzt. Sie haben im Grunde durch die Verschiebung der Glocke, die Sie ja gerade sehr nachvollziehbar beschrieben haben, ähm, Veränderungen im Wohnverhalten, die aber in der Vergangenheit ja in vielen anderen Bereichen auch schon so waren. Also wir Menschen sind ja in der Lage, äh, für Verschattung zu sorgen, wenn es uns zu warm wird und sind in der Lage, mit den Wetterbedingungen, die wir haben, ganz gut umzugehen.

Stefan Bürger Deswegen so die Frage Sind, ist überhaupt in unseren Breitengraden der Klimawandel so gefährlich, wenn ich dieses Wort nehmen darf, wie es in den jetzigen Klimarandzonen natürlich schon ist. Also wenn ich, wie Sie es gerade gesagt haben, überproportional Veränderungen habe in einer heute schon heißen Zone, dann wird irgendwann ein: Bereich unbewohnbar. Stefan Bürger: Wir im europäischen Raum sind ja in einer Klimazone, die nach oben oder nach unten noch relativ viel Varianz erlaubt. Also können wir sagen, die, die Immobilien in dieser Klimazone sind zwar betroffen, aber nie extrem betroffen von dem Gedankengang her? Thomas Ranft: Mhm, nein. Nein, wir müssen uns schon, also wir müssen uns schon strecken. Thomas Ranft: Wenn, da wissen Sie die Zahlen besser, wenn wir eine Bausubstanz haben, die gerade im Mehrgeschossbereich wahrscheinlich nicht unerheblich aus den 50er, 60er Jahren stammt. Da hat man überhaupt nicht, also da gab es Klimawandel nicht. Da hat man gebaut gegen Kälte und nicht gegen Wärme. Da ist man gar nicht geschützt.

Thomas Ranft Ähm, und da, wenn man das nicht anfasst, wird das keinen Spaß machen in Zukunft, weil die dreißig Tage, die unerträglich sind, sorgen dafür, dass am Ende jemand ausziehen muss, weil er sagt „Da sterbe ich." Und Entschuldigung,: die, die gefährlichste Naturkatastrophe, die wir in Deutschland und in Europa in den vergangenen Jahrzehnten haben, ist eine völlig andere als früher. Thomas Ranft: Es gibt ja für alles Statistiken. Tödlichste Naturkatastrophen in Europa, das waren in den 20er, 30er, 40er, 50er, 60er Jahren Erdbeben. Stefan Bürger: Mit Thomas Ranft: weitem Abstand, da kam gar nichts. In den vergangenen fast drei Jahrzehnten sind es ausschließlich Hitzeereignisse. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Wenn man sich überlegt, das Jahr 2025, wir erinnern das gar nicht als extremes Hitzejahr. Thomas Ranft: Überhaupt nicht. 2025 war super durchschnittlich. Das hatte auch, äh, ausreichend Feuchtigkeit und alles. Es war wechselhaft, aber alles dabei. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: In diesem Jahr sind nachweislich in Deutschland 2600 Menschen durch Hitze gestorben. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Das ist fast so viel wie im Straßenverkehr. Wir denken bei Naturkatastrophe an das Ahrtal.

Thomas Ranft Da waren es gut hundertachtzig Menschen. Hitze: zweitausendsechshundert. Das ist ein wirklich relevantes, äh, Thema. Und es sind nicht nur alte Menschen, der, wo die Lebenserwartung sowieso sehr gering ist. Zwei Drittel dieser zweitausendsechshundert Menschen würde heute noch leben. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Das ist wahnsinnig gefährlich und da ist die Wohnsituation entscheidend. Thomas Ranft: Wir müssen darauf reagieren. Stefan Bürger: Mhm. Und jetzt ist die Frage: Wie machen wir das? Also wir haben eben gerade gesagt, das Thema Dämmung, ähm, das wirkt ja auch auf 'ne, 'ne, 'ne, äh, also das Gebäude dämmt nicht nur gegen Wärme, sondern gleichzeitig, äh, wird natürlich auch die Kälte ausgeschlossen. Also beide, beide Bereiche werden abgedeckt, aber bedeutet das, wir müssen auch sehr viel mehr in Haustechnik denken im Hinblick auf Kühlung, Kühlgeräte, Aircondition, Kühldecken, also alles, was sich, äh, im technischen Bereich im Moment auch im Neubau noch gar nicht so vehement zeigt.

Stefan Bürger Also wir haben Zero-Emission-Gebäude, ja, ähm, aber wenn ich mir angucke, wie die auf, auf Kühlsystematiken ausgelegt sind, ist das immer quasi so: der letzte Investmentmeter, den man geht. Würden Sie meinen, dass wir da uns, uns verstärkt hin entwickeln sollten? Thomas Ranft: Wer da ernsthaft drüber nachdenkt, versteht, dass wir ja beides brauchen. Thomas Ranft: Und ohne die Branche zu kennen, würde ich sagen, meistens denken wir das getrennt. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Und wenn wir über Wärmepumpen reden, dann ist das, glaube ich, ein System, das eigentlich beides kann. Sie dürfen mich gerne verbessern. Ja, 'ne Wärmepumpe kann kalt und warm. Mhm. Warum also, wenn wir sowieso Zero Emission haben wollen, warum steigen wir nicht um auf eine Wärmepumpe, die beides kann? Thomas Ranft: Dann habe ich das Problem mit einer Aktion quasi beseitigt. Und dann darf mir das System auch technisch helfen, weil dann ist die Klimaanlage ja am Ende des Tages auch kein Problem. Wenn die Solaranlage auf dem Dach mir die Energie liefert, dann ener, liefert sie im Sommer sowieso die meiste Energie, wenn ich die Klimaanlage brauche.

Thomas Ranft Das reicht ja. Also das, mehr: braucht man ja dann nicht. Stefan Bürger: Sie sind ja, und das ist ein Hinweis an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, auch als Keynote Speaker viel in Deutschland unterwegs und man kann Sie auch buchen. Das ist jetzt der Werbeblock für Herrn Rampf. Aber, ähm, mithin haben Sie einen ganz breiten Blick auch auf Herstellerseite, wenn's um Haustechniken und was auch alles geht. Stefan Bürger: Sehen Sie an der Stelle ein Bewusstsein? Also wir sind an einem Punkt, wo ich mich lange nicht entsinnen kann, was darüber gelesen zu haben, zu sagen: „Lasst unsere Gebäude klimatechnisch über haustechnologische, äh, äh, Investitionen weiterentwickeln." Das läuft wirklich so unter ganz fernan Liven oder nehmen Sie das anders wahr?

Thomas Ranft Also ich komme über die Dämmung. Ich war, das ist noch gar nicht so lange her, bei einer, äh, ziemlich großen Veranstaltung eines sehr bekannten Dämmstoffherstellers und Materialien für solche, äh, Dinge und Da habe ich im Vorstand ein enormes Verständnis für dieses Thema wiedergefunden. Also: die leben das. Thomas Ranft: Auch in dem Thema Heiztechnik ist sehr viel oder Heiz- und Kühltechnik ist durchaus viel Verständnis. Das machen noch nicht alle, aber die Dynamik ist schon da. Man muss nur manchmal ein bisschen gucken. Ja und Intelligenz da reinzubringen, ist manchmal auch eine, eine Start-up Aufgabe. Also ich kenne ein Unternehmen, die das zum Beispiel jetzt nicht im Wohnbereich, aber zum Beispiel im Industriebereich machen, dass sie sagen okay, wir gehen über Wasserstoff, wir haben ein Tool, das Wasserstoff nicht verbrennt, sondern so richtig habe ich es noch nicht verstanden.

Thomas Ranft Es ist ein wunderbarer physikalischer Prozess. Wenn man es nicht verbrennt, braucht man irgendwie ein Drittel oder zwei Drittel weniger Energie. Wenn man das quasi nur quasi da Wasser Luft zuführt und dann hat man eine wunderbare Wärme zum Heizen. Und das ist ein Tool, das können Sie in einem Kasten einfach in die bestehende Heizungsanlage zwischendrin reinschieben und: das kann das dann in wesentlichen Teilen betreiben. Thomas Ranft: Und nur in den Spitzenzeiten springt dann das Gas noch mit an und das ist dann CO2 freundlich. Und wenn ich sowieso eine Industrieanlage habe, wo zum Beispiel Wasserstoff anfällt oder eh schon vorhanden ist- Also ist ein Stefan Bürger: Abfallprodukt. Thomas Ranft: Ist das ein wunderbares Abfallprodukt. Ich meine, das ist und das ist ein Start-up, das eigentlich dachte okay, das Geschäft machen wir in Europa, weil die ja so drauf sind. Thomas Ranft: Und wo kommen die Aufträge her? Aus Namibia und Kenia. Weil die zum Beispiel in ihrer Kakaoproduktion sagen, das machen wir CO2 frei, da kriegen wir mehr Geld und dann haben wir das und könnt ihr uns die Anlage liefern? Also da passiert unglaublich viel. Man muss nur manchmal ein bisschen gucken. Stefan Bürger: Sehr interessant. Stefan Bürger: Ja, dann gehen wir. Wir kommen von der Immobilie über die Haustechnik der Immobilie jetzt zu den Menschen, die darin leben. Sie sind ja, ich habe vorher gefragt, ob ich das sagen darf, aber Sie sind Wetterfrosch. Von der Seite her sind Sie ja im Grunde auf den Bezug Menschen mitzunehmen. Also der Mensch ist ja letzten Endes Ihr Vis a Vis.

Stefan Bürger Das, was Sie, was Sie: ansprechen, informieren, mitnehmen wollen in Ihrer Passion. Wie kriegen wir denn unsere Mieter mitgenommen? Wir sehen, dass wir in, in, in neu gedämmten Gebäuden, die sehr wenig Energie eigentlich bräuchten, gerne auch die höheren Gasverbräuche haben als in nicht gedämmten Gebäuden, weil das Wohnverhalten sich nicht verändert. Stefan Bürger: Also die Köpfe nicht das nachvollziehen, was das Gebäude oder der Stratege oder der Architekt, der das vorher geplant hat, im Kopf hatten. Wie schaffen wir es, unsere, unsere Menschen, unsere Bewohnerinnen und Bewohner mitzunehmen auf diesem Weg, um auf der Art und Weise gesundes Wohnen auch durchs Wohnverhalten zu fördern?

Thomas Ranft Da sind zwei Dinge. Ähm, das eine ist Dämme ich ein Gebäude nur, damit es gedämmt ist. Oder habe ich einen ganzheitlicheren Ansatz? Will ich, dass wir schöner und nachhaltiger: wohnen. Und weil ich das möchte als Wohnungsbauunternehmen, denke ich bei jedem Schritt darüber nach und kommuniziere das genauso. Thomas Ranft: Schöner und nachhaltigeres Wohnen bedeutet nicht nur eine Wärmepumpe einzubauen. Das bedeutet nicht nur eine Dämmung an die Wand zu machen, sondern das bedeutet: Wie kann diese Immobilie schönes und nachhaltiges Wohnen darstellen? Dazu gehört zum Beispiel auch ganz wichtig: Was passiert rund dieses Gebäude? Thomas Ranft: Wir brauchen anderes Grün, wir brauchen viel mehr Grün. Das ist keine Wiese, sondern das kann ein offener Boden sein, in dem Büsche sind, die sehr viel höher reichen als das, was wir in dieser Zeilenbebauung üblicherweise aus den 50er Jahren haben, eine komische Rasenfläche, wo ein verrostetes Schaukelgestell drin ist.

Thomas Ranft Das muss zugemacht werden, aber das muss auch abgesenkt sein, dass zum Beispiel bei einem Starkregen da nichts passiert, nichts reinläuft, das ein Puffer ist, das Wasser zurückhält. Wenn man aus dem Fenster guckt,: sieht das ganz anders aus. Man denkt sich: „Ach, ich wohne im Wald. Wie schön ist das denn?" Wenn ich das denke und so kommuniziere, hole ich Leute auch ab, denen das nicht egal ist. Thomas Ranft: Und ich glaube, schön und schöneres Wohnen holt nahezu jeden ab. Es gibt Menschen, denen ist es egal, aber da hat man einfach Pech gehabt. Das ist, glaube ich, das Erste, dass die Menschen das verstehen. Und dann muss man bei allem immer sagen: Technik allein ist nie die Lösung. Verhalten ist immer viel dramatischer. Thomas Ranft: Wir kennen die sparsamsten Autos, aber mit denen kann ich auch unglaublich viel verbrauchen, wenn ich die ganze Zeit immer nur Pedal to the Metal schön auf dem Stempel trete. Das bringt nichts. Ähm, wie motiviere ich Menschen, dass sie Spaß daran haben, das zu ändern? Das ist eine Frage vom Mindset. Das macht man nicht über Nacht.

Thomas Ranft Ähm, an Menschen appellieren, dass sie sich besser verhalten, ist: wirkungslos. Ich gehe seit vielen Jahren ins Fitnessstudio. Am 2. Januar findet man keinen Parkplatz davor. Am 2. April kann ich mir jeden Parkplatz raussuchen. Also der Stefan Bürger: Neujahrsvorsatz Thomas Ranft: ist sehr schnell weg. Wenn ich das verstehe, verstehe ich, wie man kommuniziert und wie nicht. Thomas Ranft: Das ist auch das, was, äh, ich sage mal, manche Organisationen, die sich sehr um Nachhaltigkeit beschäftigen, die appellieren immer an das bessere Verhalten. Das ist aber nur für die zwanzig, fünfundzwanzig Prozent hilfreich, denen das so wichtig ist, dass sie darauf auf alles andere verzichten. Aber Stefan Bürger: wie macht man es dann?

Thomas Ranft Ähm, also es geht um Selbstwahrnehmung, also um ein Eigeninteresse. Es geht auch um Soziale Akzeptanz oder dann eben nicht mehr Akzeptanz. Ja, ich glaube, wenn SUVs wirklich verschrien wären bei der Mehrheit der Bevölkerung,: dann würden sich manche sagen: „Ah nee, das ist, das möchte man nicht." Ja, so wie glaube ich bei Menschen, die gerne einen Sportwagen gekauft haben in den vergangenen Jahrzehnten, eine Corvette nie, äh, äh, in die engere Wahl kam, weil die noch aus den Siebzigern das Gefühl vermitteln: „Ah, das ist irgendwie aus einem halbseidenen Gewerbe." Thomas Ranft: So was, ja. Also das hat-- Wie wirkt etwas? Stefan Bürger: Images verändern. Thomas Ranft: Images verändern. Das, das entscheidend. Ein Steingarten ist eben nicht schön. Gabionen sind... Also wer hinter einer Gabione wohnt, kann auch im Knast wohnen. Das ist-- Wenn man das vermittelt und das, äh, äh, allgemeiner Konsens ist, dann sind Menschen auch bereit, sich anders zu verhalten oder verhalten sich anders, weil sie merken: „Ah, das macht man jetzt so? Thomas Ranft: Dann mache ich es halt auch."

Stefan Bürger Aber Sie merken, ich glaube, das Gespräch zeigt's auch deutlich Das ist ein echter Knackpunkt. Die Menschen nicht nur zu informieren, das ist ja der Klassiker, ne, und zu appellieren, auch noch gut, aber am Ende tatsächlich zu motivieren, Veränderung stattfinden zu: lassen. Diesen Schlüsselpunkt erleben wir in der Branche als Riesenproblem. Stefan Bürger: Und ich weiche jetzt so ein bisschen von unserem Kernthema ab, aber der Umgang mit Müll ist genau dasselbe. Ne, also nicht nur die Mülltrennung, sondern auch die Art und Weise, wie ich ihn lagere und wie ich damit umgehe und all diese ganzen Themen zeigen, dass am Ende das Thema Bequemlichkeit oder so habe ich es schon immer gemacht, ähm, das Thema soziale Akzeptanz von gewissen Situationen, ähm, die der, der Boden ist, auf dem Veränderung dann echt schwer und, und nur mühselig wachsen kann. Thomas Ranft: Ja. Was wir brauchen, was wir brauchen, da sind am Ende des Tages schon irgendwo Leitplanken, wo man sagt: „Pass mal auf. Also wenn du da drüber gehst, dann tut es auch weh." Stefan Bürger: Ja. Thomas Ranft: Wer sich also bei Müll, wer sich daran nicht hält. So. Aber wie verändere ich die Welt? Ähm, es gibt im Amerikanischen diesen Begriff, das Law of Diffusion of Innovation.

Thomas Ranft Also wie schafft man Neuerungen oder Änderungen herein? Da gibt es diese Begriffe First Mover, das hat, glaube ich, schon jeder mal gehört und Early Adopter: und so was. Ja? Der Weg, etwas zu verändern, ist erst mal die, um sich zu scharen, die die gleiche Motivation haben, denen das Thema Müll auch wichtig ist. Thomas Ranft: Die sagen: „Mir ist wichtig, das zu teilen. Mir ist wichtig, dass das in Ordnung ist." Stefan Bürger: So. Thomas Ranft: Die sind schon eine Gruppe und die sind auch bereit, dafür sich zu engagieren. Die bewegen den Teil der Bevölkerung – das ist fast die Hälfte – die das Thema auch gut finden, aber sich erst mal nicht anstrengen möchten. Ja, die machen aber mit, wenn sie sehen: „Okay, es sind schon so viele, die da mitmachen. Thomas Ranft: Ich finde das ja auch gut, dann mache ich auch mit." Die beiden Gruppen zusammen sind tatsächlich so groß, dass die, die gar keine Aktien in dem Thema haben, also in dem: „Müll, Müll, Müll", dass die sind: „Oh, ich glaube, das macht man jetzt so. Na gut, dann mache ich es halt auch." Stefan Bürger: Die Zähneknirschenden-Follower. Thomas Ranft: Nee, die sind noch nicht mal zähneknirschend.

Thomas Ranft Ich nehm es, ich nehm 'n Bild aus 'ner anderen Welt. Wenn Sie Autonarr sind, ist es ganz klar, dass 'n Auto was Tolles für Sie ist. Aber es gibt halt auch Leute, wenn Sie die: fragen: "Was für ein Auto fährst du?" Dann sagen die: " 'n blaues." "Nee, was für ein Auto fährst du?" "Ja, 'n blaues." "Nee." "Ach komm, lass es." Ja, es gibt Menschen, denen ist Autofahren ega, nicht nur egal, die würden am liebsten beamen. Stefan Bürger: Ja. Thomas Ranft: Weil das aber nicht geht, brauchen sie 'n Auto und dann kaufen sie halt irgendeins, wo sie denken: "Okay, das wird schon funktionieren." Die sind Diesel gefahren, als man Diesel fuhr. Die fahren Benzin, wenn man Benzin fährt und wenn man halt elektrisch fährt, dann fahren die halt elektrisch. Die haben da keine Aktien drin, denen ist das egal. Stefan Bürger: Ja. Thomas Ranft: Und so wird das beim Müll auch sein. Stefan Bürger: Ja. Thomas Ranft: Ja, und die machen dann was, was die größere, lautere Masse macht. Es wird auch immer welche geben, die dagegen sind. Die sagen: "Nee, da hab ich noch nie so gemacht, mach ich das." Mit denen brauche ich nicht diskutieren. Stefan Bürger: Eine Riesenherausforderung für uns als Vermieter, denn wir haben natürlich 'ne Geschäftsbeziehung mit unserem Kunden und die erste Aufgabe ist es ja nicht, unseren Kunden zu erziehen oder zu motivieren, sondern ihm einfach erst mal 'n Dach über den Kopf zu geben.

Stefan Bürger Sicherheit, Ordnung, das ganze Thema, ähm, auch des Services zu erfüllen. Und da ist es dann wirklich schwierig in so: 'ner Kundenbeziehung, ihn gemeinsam mit 'ner guten Logik zugegeben, aber trotzdem dann doch mit 'nem gewissen Druck, der dahinter ist, zu Verhaltensveränderungen zu bewegen. Thomas Ranft: Incentivieren? Stefan Bürger: Das ist, äh, 'ne Möglichkeit. Stefan Bürger: 'n bisschen tut das natürlich auch schon, äh, unser Umlageverfahren. Also wenn ich günstigen Strom vom Dach kaufen kann, dann kaufe ich ihn jetzt nicht, weil ich überzeugter, ähm, Klimawandelbekämpfer bin, sondern schlicht und ergreifend, weil's günstig ist, ne. Über den Thomas Ranft: Preis geht's immer. Stefan Bürger: Ne, es ist ja, der Preis ist mit Sicherheit die wirkungsvollste Incentivierung. Stefan Bürger: Aber mir ist wichtig, wo ich Sie schon mir gegenüber sitzen habe, dass wir noch auf ein Thema kommen, was in der Immobilienbranche und Sie haben schon angerissen, außerordentlich wichtig ist: das Wohnumfeld. Wir haben ja nicht nur Immobilien, Häuser, Dächer, äh, Technik, sondern, äh, im Regelfall hektarweise Grünland.

Stefan Bürger Jedes Wohnungsunternehmen hat Hektar Grünland. Das nimmt man gar nicht so wahr und ich gebe zu, als GWH vor, ich weiß nicht, sieben, acht Jahren den Baumbestand aufgenommen hat, äh, da war: ich völlig verwundert, dass wir achtundvierzigtausendsiebenhundert Bäume haben. Also wir, wir sind ja wenn, so willst fast 'n Forstbetrieb. Stefan Bürger: Wie guckt jemand wie Sie auf diese Flächen und auf diese Kompetenz? Fast 'ne unentdeckte Kompetenz, denn da müssen Sie schon lange suchen in der Branche, bis Sie Geschäftsführungen finden, die sagen: "Ich seh mich auch als Förster." Ne, aber letzten Endes ist man es ja. Ist es, ist man's ja. Also haben Sie da 'n Blick drauf und vielleicht auch 'ne Empfehlung, wie man diese Möglichkeiten nutzen könnte? Thomas Ranft: Also ich würde mit zweitem anfangen. Das kann man natürlich wunderbar nutzen, weil wenn man so viel Fläche hat- Und man sieht die verschiedenen Bedarfe. Dann würde ich sagen, äh, ist diese Fläche bisher nicht für alle Bedarfe genutzt, sondern die Fläche ist genutzt, dass sie vielleicht möglichst wenig Arbeit macht.

Thomas Ranft Die Fläche ist genutzt, dass man da die Wäsche aufhängen oder spielen kann. Der: Naturschutz fällt häufiger hinten runter, außer man macht genau die Ausgleichsfläche, die man halt machen muss, weil man sonst keine Wahl hat, weil man irgendwo anders was versiegelt hat. Und die Chance, die genau in diesem Teil drinsteckt, das glaube ich, wird wirklich unterschätzt. Stefan Bürger: Ja, Thomas Ranft: definitiv. Weil man unterschätzt, wie sehr ein Anblick einer tollen, vielfältigen- Stefan Bürger: Mhm. - Thomas Ranft: Landschaft uns alle glücklich macht. Ich glaube, da gibt es keine Ausnahme. Jeder Mensch, wenn der irgendwo sagt: „Warum gefallen uns Parks so gut?" Es gibt keiner, der in einem Park steht und sagt: „Das ist aber hässlich hier." Thomas Ranft: Das ist unglaublich viel wert und dieser Wert wird völlig unterschätzt. Stefan Bürger: Es gibt eine sehr, wenn ich Ihnen gerade ins Wort fallen darf, eine sehr interessante Studie aus Frankreich. Die ist keine drei Jahre alt. Die hat das Betrachtungsgrün bewertet. Also ich gehe eigentlich nie in den, in, in den Garten. Äh, ich setze mich auch nicht auf die Terrasse, die da unten angelegt ist.

Stefan Bürger Ich habe auch noch nie den Spielplatz benutzt, aber ich gucke jeden Tag drauf. Ich habe eine Identifikation und es tut mir gut. Also nur das: Betrachten von gut angelegten Wohnumfeldern wirkt sich positiv auf den Menschen mit ein und führt zu einer verbindenden Assoziation. Eigentlich witzig, ne? Man guckt etwas nur an und fühlt sich trotzdem intensiv damit verbunden und hat einen Wohlfühleffekt. Stefan Bürger: Es zahlt auf das ein, was Sie gerade gesagt haben. Thomas Ranft: Ich könnte Ihnen jetzt ein Bild zeigen, das ich ganz gerne bei so Keynotes dann zeige. Eine, äh, ein Bauvorhaben in Genf, wo man eben vier, fünfgeschossig mehrere Zeilen, die und so einen Innenbereich, der so bepflanzt wurde, auch mit Bäumen und verschiedenen Höhen und allem, dass man denkt: Da will ich wirklich wohnen.

Thomas Ranft Und, äh, das hat ja dann vielerlei Effekte. Also erstens Optisch, das sieht toll aus. Das mag ich. Zweitens Es ist eine nutzbare Fläche trotz allem. Drittens Es ist eine, die bei Extremwetter wahnsinnig hilft. Denn wenn's stark regnet, habe ich viel weniger Probleme mit der Kanalisation, weil nämlich ein nennenswerter Teil des: Niederschlagswassers erst mal da bleibt. Thomas Ranft: Und wenn es nur eine Zeit lang ist, aber das Problem ist ja immer, wenn ich eine versiegelte Fläche habe und das Gewitter kommt und da kommen dreißig, äh, Liter pro Quadratmeter in der halben Stunde runter oder in zwanzig Minuten, das schafft die Kanalisation nicht. Wenn das aber eine halbe Stunde in der, in diesem grünen Bereich zurückgehalten wird, das schwappt, matscht dann so ein bisschen, ja, so und fließt dann langsam ab, dann läuft's eben nicht in den Keller. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Im umgekehrten Fall ist es so: Wenn ich die Hitze habe Brauche ich viel weniger Klimaanlage, weil die Bäume, wenn so ein Baum zweihundert Liter Wasser am Tag verdunstet, das ist also, also 'ne, 'ne wunderbare Verdunstungskühlung. Wir kennen das alle, wenn man in den Wald reingeht, wie viel kühler das dort ist.

Thomas Ranft Und das kann ich da jederzeit bauen. Das hat also unglaublich viele Effekte und nix verrut. Das ist nicht teuer. Ich muss das einmal bauen. Da geht man mal ein bisschen mit der Pflege durch. Aber da muss ich noch nicht mal jede, jede Woche Rasen mähen, weil da gibt es gar nicht so viel Rasen. Ja, und wenn das: eine Wiese ist, die vielfältig ist, äh, äh, Insekten und alles hat, da wird niemand meckern. Thomas Ranft: Das ist toll. Stefan Bürger: Wie würden Sie sagen, ist das Thema Wohnumfeld, äh, besser zu sensibilisieren? Wir laufen, wenn wir durch eine Stadt laufen, doch im Regelfall an nur organisiertem Grün vorbei. Das sind Wege, die sind nach Unfallfreiheit und Verkehrssicherung geregelt. Da stehen Bäume, die sind nicht zu hoch, weil man sie dann nicht mehr ordentlich ökonomisch pflegen kann. Stefan Bürger: Also wir haben ja so eine, wie soll ich sagen, eine Versachlichung oder eine Verbürokratisierung unseres Wohnumfeldes, mit Ausnahme von Parks. Die werden dann wieder sehr luxuriös gemacht, aber das ist ja die, die Minderheit. Also wie, wie kann man an dieser Stelle einen neuen Blick auch auf diese Chance, diese Entwicklungschance, gerade mit dem klimatechnischen Akzent wieder schaffen?

Thomas Ranft Wenn Sie damit anfangen und sind dann bei Branchentreffs und zeigen mal Bilder und sagen „Übrigens, ich: verlange die gleiche Miete wie Sie. Was glauben Sie, wo wohnen die Leute lieber? Es muss nur einer anfangen. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Das färbt ab. Vielleicht nicht bei jedem, aber der Zweite kommt und: „Nee, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Thomas Ranft: Das ist eine super Idee, das ist ja viel besser. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Sie müssen nur anfangen. Da brauchen wir keine Regulierung. Also man braucht keine Regelungen oder Verbote oder so was, um das zu ändern. Es muss einfach nur jemand anfangen und es machen und dann passiert's. Stefan Bürger: Mhm. Ja, ich glaube, das ist auch Sinn dieses Podcasts. Stefan Bürger: Wir haben dreitausend Wohnungsunternehmen in Deutschland ab einer Größe von tausend Wohneinheiten. Und natürlich sind das alles, wenn Sie so wollen, kleine Bürgermeister. Das sind manchmal kleine Dörfer, die da zusammenkommen, wenn so ein Wohnquartier mit sieben, achthundert Wohnungen, tausendfünfhundert, zweitausend Menschen ein Zuhause geben, dann hast du ein kleines Dorf und das im Eigentum von einer Gesellschaft und natürlich mit der Gestaltungskraft dieses Eigentümers.

Stefan Bürger Äh,: das Problem der Politik ist ja häufig, dass sie nur incentivieren kann und viele quasi motivieren muss. Hier ist es, wenn ich im Eigentum des Ganzen bin, auf eine Entität ja konzentriert. Sehen Sie, und das wäre so die letzte, meine letzte Treppe, die ich, Treppenstufe, die ich mit Ihnen angehen wollte, in unserer Gesellschaft eine produktive Entwicklung dieser Themen Ganzheitlicher anzufassen, also weniger, äh, sie in der Diskussion und, ähm, in der Literatur oder in der Zeitung, in den News zu verarbeiten, sondern wirklich im echten Leben schrittweise, ähm, jeder an seinem Standort sich nach vorne zu entwickeln. Stefan Bürger: Also ich gebe Ihnen den Gedanken konkreter: Wer, die, die Individualverkehre nehmen nicht ab, ne. Der öffentliche, äh, Verkehr nimmt nicht wesentlich zu. Also so, so 'n Shift, wie man es ja eigentlich erwarten würde durch 'ne Sensibilisierung von zwanzig, fünfundzwanzig Jahre Debatte rund ums Klima, ist kaum im Echtleben wahrnehmbar.

Stefan Bürger Ähm,: nehmen Sie das auch so wahr? Sehe ich das richtig? Und zum zweiten: Was könnten wir tun, um es zu befördern? Thomas Ranft: Also aus Klimasicht muss ich sagen: Alles ist zu langsam. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Der Verkehr ist 'n super Beispiel. Da passiert gefühlt, gefühlt und gemessen gar nichts. Ja. Ja, weil das 'n bisschen wie die Energieeinsparverordnung im Gebäudebereich: Wir haben zwar den Energieverbrauch pro Quadratmeter halbiert, aber wenn wir im gleichen Zeitraum doppelt so groß wohnen, dann haben wir nix gewonnen, ne. Thomas Ranft: Und im Verkehr ist es letztlich ähnlich. Beim Verkehr gibt's 'ne gewisse Entschuldigung, weil eben der, die, äh, öffentliche Mobilität stiefmütterlich behandelt wird seit Jahrzehnten und die Infrastruktur gar nicht da ist, habe ich als Einzelnutzer- Stefan Bürger: Mhm ... Thomas Ranft: egal ob als Mensch oder als Organisation, kaum eine Möglichkeit, was anders zu machen als das, was ich bisher mache.

Thomas Ranft Dann kann ich von, äh, Benzin auf Elektro umsteigen und das ist schon mal 'n großer Schritt, weil: Elektro einfach sehr viel CO₂ ärmer ist und auch ressourcenärmer ist, weil so 'ne Batterie kann man halt recyceln. Man kann keinen Tropfen Sprit recyceln, aber da ist es das auch schon. Ja, weil ich bau mir keinen eigenen Zug und keine eigenen Schienen. Thomas Ranft: Das muss geliefert werden und das ist nicht. Das ist im Wohnungsbau anders. Ja, es gibt wahnsinnig viele Regulierungen, aber da kann ja jeder für sich entscheiden. Mhm. Also natürlich ist auch da dieser Shift zu langsam, weil aus Klimasicht haben wir eigentlich gar keine Zeit. Eigentlich müssen wir heute sofort loslaufen und wenn sofort alles auf einen Schlag ginge, dann wär das toll, aber das ist völlig illusorisch. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Das schmeckt mir nicht, aber ich muss damit leben und dann kann ich damit auch mit leben. Dann muss ich mich auch nicht verrückt machen, weil ich weiß, das ist ein Prozess, der sich nicht schnell ändern kann- Mhm ... weil Menschen so nicht sind. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Ich kann nicht heute meinen Sohn auf die Schule schicken und erwarten, dass er an Weihnachten schon 'n Master hat.

Thomas Ranft Das ist illusorisch, das kostet Zeit. Wenn ich dieses Verständnis habe, dann: geh ich viel gelassener daran und dann fasse ich's an. Dann sag ich: Ich brauche jetzt auch keine Vorgabe von der Bundesregierung, dass die sagen: „Jetzt müssen wir das so machen", sondern ich mache es einfach und dann färbt das ab, weil das Bessere gewinnt immer. Thomas Ranft: Das Bessere ist einfach besser. Fertig. Stefan Bürger: Sie sind ja nun auch viel unterwegs und, äh, werden sich die Frage, wie wir es gerade gesagt haben, auch immer wieder im Kontext im Ausland stellen: Sehen Sie jetzt mal gerade auf diesem Bereich Immobilien, Wohnungswirtschaft, Wohnumfelder, äh, den Bereichen, die wir besprochen haben, im Ausland eine sch-- bessere, schnellere Entwicklung oder mindestens mal die eine oder andere Best Practice?

Thomas Ranft Das weiß ich nicht. Ich, also so sehr, äh, Profi in dem Bereich bin ich nicht. Was ich gehört habe und was wahrscheinlich auch nicht falsch ist Früher hat je-- Also wenn ich früher, dann meine ich richtig früher, hat jede Region auf diesem Planeten irgendwie anders gebaut. Ich: sage mal, dieses klassische würfelförmige Gebäude ohne Steildach, dieser Trend ist ja leider überall zu sehen, egal wo man auf der Erde hinreist. Thomas Ranft: Wir wohnen in dem gleichen ollen IKEA-Kram. Und das ist schlecht, weil die Klimata überall anders sind. Und wenn ich überall gleich baue, dann passt das nirgendwo richtig. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Warum gab es früher ein Schwarzwaldhaus? Weil die einfach mal recht hatten. Das ist ein total langes Dach. Das liefert Schatten im Sommer und es ist aber so lang, dass die tief stehende Wintersonne trotzdem noch reinkommt, sodass man the best of both worlds hat.

Thomas Ranft Diese Häuser, die heute keinen Dachüberstand haben, sind am Klima vorbeigeplant. Bei Starkregen ist es noch egal, aber bei Sonneneinstrahlung ist es blöd. Und wenn wir eine, eine feuchte Wand bekommen dadurch. In einer Welt, wo die Luft: zwar mehr CO₂ hat, aber viel weniger andere Schadstoffe, die so sauber ist, dass wir wieder Flechten haben, dann sehen wir ja heute, dass Fassaden schon nach fünf, sechs, sieben Jahren vergrauen. Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Nicht, weil die Luft so dreckig ist, sondern weil die Luft so sauber ist und weil ich's mit meinem Dach nicht schaffe, die Wand trocken zu halten. Bin ich selber schuld, dann muss ich sie wieder, äh, frisch machen. Also das ist 'ne falsche Entwicklung und es gibt immer wieder tolle Beispiele, aber das ist viel zu wenig. Stefan Bürger: Ist das vielleicht jetzt wieder, wir sind wieder beim Thema Mensch. Interessant. Also wir kommen, ob's der Mieter war, der Investor war, der Eigentümer. Jetzt, äh, sind wir bei Planer und Gestaltern. Ist der Mensch an dieser Stelle einfach auch zu unsensibel geworden? Also haben wir ein bisschen diesen Bezug zur Natur.

Stefan Bürger Ich nehme mal bewusst jetzt nicht Klima und, und, und diese, diese Labels, sondern einfach den Bezug zur Natur, zu Wetter, zu Auswirkung von Wasser an meiner Fassade, ähm, das Bedeuten: eines Baumes. Das, selbst wenn man es jetzt ausspricht, fühlt man sich schon irgendwie, äh, infantil, ja. Aber ist uns diese Bodenständigkeit verloren gegangen? Stefan Bürger: Völlig. Thomas Ranft: Und das ist keine Frage von Architekten. Ich meine, ich könnte un-- ich glaube, jeder von uns kann hunderte Geschichten von Architekten, äh, erzählen. Nix, wenn Sie Architekt sind, seien Sie mir bitte nicht böse. Das hat nichts mit Ihnen zu tun. Aber haben wir nicht alle schon Gebäude erlebt, wo man sich denkt: „Okay, der hat das geplant, der wohnt nicht selber." Stefan Bürger: Ja. Thomas Ranft: Ja, oder in der Tiefgarage, wo man denkt: „Du bist noch nie Auto gefahren, da kommt man nicht rum. Und mit dem Bordstein, so 'ne Felge ist wahnsinnig teuer." Ja, wo man denkt: „Das gibt's doch gar nicht." Stefan Bürger: Mhm. Mhm. Thomas Ranft: Aber das haben wir ja auch in allen anderen Bereichen. Ich meine, wie viel Personalplaner denken: „Du kannst überhaupt nicht mehr Personal umgehen.

Thomas Ranft Du kannst nur eine Excel-Datei bedienen." Wie viele Chefs, die nix mit Menschen zu tun haben wollen, aber wollen, äh, müssen Personalführung machen. Also das gibt's ja in allen Bereichen, dass Menschen etwas machen, weil sie's halt gelernt haben- Mhm. -aber nicht dafür brennen. Die, die: dafür brennen, die machen's richtig. Thomas Ranft: Kennen wir nicht alle Handwerker oder Planer oder Architekten. Mir fällt sofort jemand ein, wo ich denke: „Okay, der fühlt das, der denkt das ganz heislich." Stefan Bürger: Mhm. Thomas Ranft: Ja, also ist so. Stefan Bürger: Jetzt sind wir ganz zum Anfang beim limbischen System gewesen und landen am Ende bei der Leidenschaft. Ähm, wiederum ein, ein, wie soll ich sagen, ein ganz besonderer Weg. Stefan Bürger: Ich danke Ihnen, Thomas Ranft. Das war 'ne außerordentlich interessante und sehr bunte Reise, die uns, glaube ich, auch in der Immobilienwirtschaft noch mal ein paar ganz andere Felder aufmachen. Das ist Ziel und Zweck dieses Podcasts. Ist deswegen große Ehre, dass Sie hier waren. Das war Thomas Ranft. Stefan Bürger: Schauen Sie, wenn Sie das nächste Mal, ähm, Fernsehen gucken und Nachrichten und da besonders das Wetter, wie er live ist, denn das war nur seine Stimme, aber die war gut zu hören. Herzlichen Dank. Thomas Ranft: Sehr gern.

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