Wie verändert KI die Immobilienwirtschaft, Herr Nachtweh?

Shownotes

KI ist in der Immobilienwirtschaft längst mehr als ein Technologiethema. Die entscheidende Frage lautet: Wo entsteht durch künstliche Intelligenz tatsächlich messbarer Mehrwert – und wie lässt sich dieser in bestehende Prozesse, Organisationsstrukturen und Geschäftsmodelle integrieren?

Julian Nachtweh, Partner bei Deloitte für Technologieberatung, ordnet den Stand der KI-Entwicklung in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft ein. Er erklärt, warum die Branche bei technologischer Reife und Datenbasis noch hinter anderen Industrien liegt und weshalb Unternehmen zunächst mit klar abgegrenzten Use Cases und Pilotprojekten arbeiten sollten.

Warum Backoffice-Prozesse wie Planung, Reporting, Finanz- und Abrechnungsprozesse für den KI-Einsatz besonders interessant sind. Weshalb Datenmenge, Datenqualität und Datenreife die Grundlage für verlässliche KI-Anwendungen bilden – etwa bei Predictive Analytics, Wartung und Smart Metering. Wie sich Führung, Organisation und Mitarbeitendenentwicklung verändern müssen, wenn Unternehmen KI-Agenten wie digitale Teammitglieder einsetzen. Im Gespräch geht es außerdem um die Kosten von KI-Modellen, Skaleneffekte und die Frage, wie Unternehmen den Einsatz durch klare Governance kalkulierbar halten. Auch die Abhängigkeit von großen internationalen Technologieanbietern, souveräne Cloud-Systeme und mögliche Exit-Szenarien werden diskutiert.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Faktor Mensch. KI soll Mitarbeitende nicht einfach ersetzen, sondern repetitive Aufgaben reduzieren und neue Tätigkeitsfelder ermöglichen. Dafür müssen Führungskräfte vorhandene KI-Kompetenzen im Unternehmen erkennen, Mitarbeitende weiterentwickeln und eine Organisation schaffen, in der Fachbereiche und IT enger zusammenarbeiten.

Julian Nachtweh beschreibt dafür ein mögliches Hub-Modell: Mitarbeitende verantworten die Prozesse, in denen KI-Agenten eingesetzt werden, während ein technologischer Kern für Standards, Schulungen und Leitplanken sorgt. Gleichzeitig bleiben Themen wie Mieter-Scoring, der EU AI Act und der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Daten zentrale Herausforderungen.

Eine Folge über KI-Strategie, Datenqualität, Prozessautomatisierung und die organisatorischen Konsequenzen einer Technologie, die Unternehmen nicht nur digitaler, sondern auch führungsseitig anspruchsvoller macht.

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Stefan Bürger: Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Wohngefühl und heute wird es ganz technisch. Mir gegenüber sitzt nämlich der Julian Nachtweh und der ist Partner bei Deloitte und ist dort für die Technologieberatung zuständig. Ganz breites Feld, unter anderem natürlich auch für Real Estate und toll, dass Sie da sind. Julian Nachtweh: Ja, vielen Dank, dass ich hier sein darf. Stefan Bürger: Ja, Herr Nachtweh, wir wollen über KI reden und KI und Immobilien und Wohnungswirtschaft, da kommt einem ja gleich die Frage: Wann brauchen wir keine Berater von Deloitte mehr? Julian Nachtweh: Gut, die Frage ist: Braucht man generell Berater? Ja und- Gute Frage. Ja, oder ist es halt ein, ein Markt, wo man sagt, viele Menschen, die in der Immobilienwirtschaft arbeiten oder mit der Immobilienwirtschaft zu tun haben, kennen sich damit schon aus und haben eine gewisse Erwartungshaltung. Julian Nachtweh: Ähm, aber ich sage mal, die Frage: Wann brauche ich keinen Berater mehr? Ehrliche Antwort: Ich denke, in den nächsten zwei bis fünf Jahren werden Sie auf Berater oder Impulse von außen, nennen wir es mal so, angewiesen sein.

Stefan Bürger Ja, das ist ja: 'ne sehr provokante Antwort im Sinne von, äh, es braucht weiter Berater, aber durch zwei bis fünf Jahre auch 'ne limitierte. Stefan Bürger: Trauen Sie KI tatsächlich so viel zu, dass, äh, Beratung da wirklich substanziell von betroffen sein wird? Julian Nachtweh: Ähm, der KI traue ich sehr, sehr viel zu. Ähm, die Antwort ist aber insofern schwer zu geben, dass wir heute nicht wissen, was ist KI in zwei Jahren. Stefan Bürger: Mhm. Julian Nachtweh: Ja, wenn Sie halt die Evolution oder die Geschwindigkeit, Entwicklungsgeschwindigkeit der KI sehen und die ersten Züge begannen ja 1944 bis heute. Julian Nachtweh: Die meisten Menschen arbeiten mit KI seit, äh, zwei Jahren, ja, haben mit ChatGPT angefangen zu arbeiten und fangen heute an zu überlegen: Was bedeutet das? Stefan Bürger: Mhm. Julian Nachtweh: Und, ähm, die Beratung, was man damit macht und was man damit nicht macht, ja, das halt als Gegenthese wird uns die nächsten Jahre beschäftigen. Und wann ist die Frage: Haben wir einen Reifegrad der Technologie erreicht, wo halt jede Weiterentwicklung dann für die Immobilienbranche im Daily Business nicht mehr, ähm, Mehrwerte bringt.

Stefan Bürger Wir erleben bei der GWH, dass wir durch die: Einführung von KI im Moment erst mal mehr Stellen aufbauen im digitalen Bereich, überhaupt erst mal die Kompetenz ins Unternehmen zu bringen. Das, was wir nachher als Kompensat, wenn wir über FTEs oder Mitarbeiterkapazitäten sprechen, sehen, findet in anderen Geschäftsbereichen statt. Stefan Bürger: Würden Sie der These zustimmen, die Unternehmen werden einfach in ihrem Personalkörper immer digitaler zulasten von klassischen administrativen Aufgaben? Oder würden Sie sagen: "Nee, nee, nee, irgendwann ist KI so weit, dass wir insgesamt mit weniger Personal in allen Disziplinen mehr leisten können." Julian Nachtweh: Die richtige Antwort für heute ist mit Sicherheit, dass KI zunächst unterstützt, die Tätigkeiten des täglichen Businesses, ja, die administrativen Tätigkeiten zu entlasten und die Mitarbeiter, die heute zum Teil 'ne Last haben von über hundert Prozent aufgrund von Personalmangel in ihrer Branche Insofern zu entlasten, dass Sie sagen, Sie haben mehr Zeit, sich auf die Dinge zu fokussieren, die Ihr Unternehmen voranbringt. Stefan Bürger: Mhm.

Julian Nachtweh Viele erwarten immer, dass von außen, ähm,: der Blick auf die GWH oder auf andere Unternehmen halt KI nach vorne bringt, dass man sagt, im Mieter, äh, Mieterportal, sei es halt, äh, in einer Kundeninteraktion, sei es in der Rechnungsverarbeitung. Ähm, aber der Hauptfaktor wird sein Entlastung im Innendienst- Stefan Bürger: Mhm. Julian Nachtweh: -und halt damit KI zu nutzen, um die nicht mehr zu besetzenden Stellen, weil sie einfach aufgrund von Personalmangel halt diese nicht besetzen können, zu entlasten und, äh, da den größten Mehrwert haben. Stefan Bürger: Also für Sie ist es ein gradueller Weg. Also es geht Stück für Stück für Stück. Sie sehen nicht die Revolution, ähm, äh, am Horizont auftauchen, die von heute auf morgen den großen Sprung brächte. Julian Nachtweh: Nein, das hat auch keine Technologie gemacht. Selbst wenn Sie sich daran erinnern, als Sie das Internet eingeführt haben oder Google, ähm, oder das Googlen an sich, die Internetrecherche eingeführt wurde, das war ja auch keine Revolution von heute auf morgen. Man hat sich langsam herangetastet und ähnlich ist es mit, mit der KI.

Julian Nachtweh Wie wird das heute gemacht? Viele Unternehmen in der Branche fangen an zu pilotieren. Sie haben eine Idee, einen Use Case, sei es ein Chatbot, sei es ein Voicebot, sei es mal, ähm,: eine Optimierung einer Excel-Datei, äh, vielleicht in der IT, ja. Wie nutzt sich KI zum Programmieren? Aber gucken wir uns die Branche heute an, so sind sie in einem sehr frühen Stadium, wo sie halt sagen, die ersten Piloten werden möglicherweise in den nächsten zwei Jahren in Produktion gebracht und, äh, eine Revolution sehe ich Stand heute nicht. Stefan Bürger: Die anderen Industrien, sagten Sie, sind ein Stück weit voraus und mehrere Jahre. Worin besteht dieser Abstand? Julian Nachtweh: In der technologischen Reife und der Datenreife. Stefan Bürger: Ah, okay. Julian Nachtweh: Ähm, das heißt, nehmen wir ein gutes Beispiel, was vergleichbar ist mit Ihrer Industrie, wenn Sie sagen, das Thema prädiktive Analyse, Predictive Analytics, ja, im Umfeld von Wartung.

Julian Nachtweh So, das ist in der Fertigungsindustrie, wenn Sie Industrieroboter haben, ja, schon seit vielen Jahren gang und gäbe. Da haben Sie große Datenmengen. Sie haben interne Systeme, die mit unterschiedlichen Datenmodellen arbeiten und sehr viele verlässliche Daten halt liefern, um diese auszuwerten. Das ist da in der Wohnungsindustrie oder Immobilienindustrie: auch möglich. Julian Nachtweh: Ja, Sie kriegen möglicherweise von Fahrstühlen, ähm, schon Info, äh, Informationen von Heizungssystemen. Nehmen wir das Thema Smart Metering. Stefan Bürger: Mhm. Julian Nachtweh: Aber die Datenbasis heute ist in vielen Bereichen noch viel zu gering, um halt den Reifegrad an der Industrien annähernd zu erreichen. Und da sind wir in der Entwicklung, das wird sich in den nächsten drei bis fünf Jahren ändern, aber Stand heute sind sie da halt noch hinterher. Stefan Bürger: Geben Sie mir noch zwei, drei andere Industrien, weil die produzierende Industrie, äh, das sind die Roboter, die irgendwas schrauben. Dass die natürlich vor uns sind, ist klar. Aber, äh, wenn ich jetzt so reingucke, ist, ist der Handel so weit vorne, ne? Oder, äh, ist es das Thema Medicare? Also welche Industrien sind denn, wenn es um KI geht, ja schon so, so fünf, sechs Jahre vor der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft?

Julian Nachtweh Also der Handel oder die der generelle Retailbereich, ähm, ist sehr viel weiter. Die Logistik ist sehr viel weiter, ähm, weil sie halt dort auf Prozesseffizienz seit Jahren getrimmt sind. Es gibt, äh, viele Branchen, die sind aufgrund des internationalen Wettbewerbs dazu gezwungen,: halt ihre Prozesse zu optimieren anhand von Prozessen Alleinstellungsmerkmale zu definieren. Julian Nachtweh: Ähm, und das halt schon seit vielen Jahren, weil die Margen in anderen Industrien signifikant geringer sind als normal in ihrer Industrie. Ähm, und viele Unternehmen agieren erst, wenn sie gezwungen werden. Und, äh, dieser Zwang ist in Industrien wie der Wohnungswirtschaft, aber auch bei Banken und Versicherungen noch nicht erreicht. Stefan Bürger: Sie sprachen eben gerade ganz viel mit dem Begriff Daten, Datenqualität, Datenverfügbarkeit. Ich denke, das ist ja die Basis von allem. Also wenn wir sagen, wir müssen die Immobilie digitaler denken, müssen die Immobilienverwanden oder die Kundenverwanden, also wenn's um die Mieter und die Käufer geht, die, die die Immobilien bewirtschaften geht, besser bearbeiten, dann heißt das, wir brauchen die Daten zu diesen Fakten. Stefan Bürger: Ist das richtig? Julian Nachtweh: Ja, weil wenn Sie sich fragen, was ist KI? Ja, KI ist im Prinzip im Kern ein großer mathematischer Stefan Bürger: Algorithmus,

Julian Nachtweh wo Sie Fragen stellen. Diese Fragen werden zerlegt: in kleine Einzelteile, Tokens, werden dann in mathematische Modelle, ähm, gefüttert und halt Wahrscheinlichkeiten berechnet. So, und diese Prozesse laufen anhand von verfügbaren Datenmengen, die neben den technischen Modellen stehen. Julian Nachtweh: Und wenn Sie halt dort, ähm, nicht genug Daten liefern, so greift halt das der Algorithmus, egal wie gut er ist, nur auf eine kleine Menge an Daten zu. Ich rede jetzt bewusst nicht mehr von strukturierten Daten. Man hat lange gesagt, man muss halt in Unternehmen die Datenqualität, ähm, erst Herstellen oder bereinigen, um diese Prozesse zu machen. Julian Nachtweh: Davon sind wir mittlerweile entfernt. Viele AI-Algorithmen sind in der Lage, sehr gut mit unstrukturierten Daten umzugehen. Nichtsdestotrotz brauchen wir eine gewisse Datenmenge, auch in einer gewissen Qualität, um halt da voranzukommen. Weil wenn Sie eine gute Frage auf eine schlechte Datenmenge stellen, dann kriegen Sie, ähm, schlechte Antworten.

Stefan Bürger Shit in, shit out. Da sind wir wieder. Ja. Wenn Sie jetzt so auf die Immobilienwirtschaft schauen und gucken, dass wir ja, und das: ist in anderen Branchen genauso, aber in der Immobilienwirtschaft, äh, vielleicht sehr diametral: Wir haben nicht nur das Produkt, äh, wir haben den Mieter, wir haben Bewegungsdaten, wir haben Stammdaten, wir haben technische Daten, wir haben finanzielle Daten. Stefan Bürger: Will also heißen, wir sind ja, ähm, in einer sehr, sehr breiten Datenwelt unterwegs und müssen Prioritäten setzen, wenn's darum geht, diese so zu erschließen, dass wir möglichst wirksam KI in unsere Prozesse mit einführen. Wenn Sie so auf die Wohnungswirtschaft gucken, wo würden Sie einfliegen? Würden Sie einfliegen, erst mal sagen kommt das ganze Thema Kunde, das ist ganz vorne? Stefan Bürger: Oder das Thema Financials, Abrechnung von Betriebskosten, so was? Oder, hey, der Beschaffungsprozess, da liegt's, ne. Also es gibt ja da auch so unterschiedliche Paradigmen. Was, was sind, wären so Ihre Präferenzen? Julian Nachtweh: Der Bereich, wo Sie sehr, sehr viele wiederholende Tätigkeiten haben, und das ist nicht der Kunde.

Julian Nachtweh Das sind auch nicht, äh, die Interaktionen mit Ihren Dienstleistern, sondern es sind in der Tat die Backoffice-Prozesse, wo Sie halt Planungsprozesse: haben, wo Sie Reporting-Prozesse haben, wo Sie Finanz- und Abrechnungsprozesse haben, also die wiederkehrenden Tätigkeiten. Ist natürlich nicht so medienwirksam, ja. Julian Nachtweh: Wenn Ihr Unternehmen auf den Markt geht und sagen, wir haben eine neue KI-basierte, ähm, ich sag mal, Interaktionsmöglichkeiten mit dem Kunden, ist das 'ne gute Idee. Ja, kann man auch, ich sag mal, ein bisschen attraktiver auf den Markt spielen als: Super, wir haben jetzt, äh, die Rechnungseingangsverarbeitung zu neunzig Prozent di-digitalisiert. Julian Nachtweh: Aber betrachtet man die Wertschöpfung, ähm, und grad die, den Einsatz von nicht generativer oder fragender AI, wo Sie sagen, ich habe eine Frage, krieg meine Antwort, sondern wenn Sie in Richtung agentischer, ähm, AI oder KI denken, ist das der größte Hebel, wo Sie am schnellsten, aber auch am wirksamsten Fortschritte bewirken können.

Stefan Bürger Nun sind das natürlich auch Prozesse, die im Moment sehr mitarbeiterintensiv sind, ne. Da sitzen viele Leute und die prüfen Rechnungen und die kontieren um, äh, und die rechnen im Zweifelsfall sogar noch mit dem Taschenrechner das Konto aus, bevor die Überweisung stattfindet.: Ich möchte gerne abbiegen so in die Richtung: Wie kriegt man Menschen, Mitarbeiter an, an diesen Veränderungen so partizipiert, dass sie sie mitgehen und dass sie nicht nur das Verständnis dafür entwickeln, sondern auch 'ne aktive Rolle dabei nehmen? Stefan Bürger: Weil wir haben ja gerade gesagt, es geht Schritt für Schritt. Also ich brauche ja die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Weg, um dorthin zu kommen, hab aber gleichzeitig natürlich die Angst im Auge, ich schaff mich selber ab. Also was ist der Faktor Mensch mit KI? Julian Nachtweh: Die Frage ist das überhaupt wirklich so? Julian Nachtweh: Ja, denn wenn Sie sich die Statistiken angucken, auch in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, so sagen neunzig Prozent der Unternehmen: "Ich möchte was mit KI machen." Und das kommt auch aus der Belegschaft. Die meisten ihrer Mitarbeiter, wo ich drauf wetten, arbeiten in irgendeiner Form einmal wöchentlich mit KI.

Julian Nachtweh Ja, sei es halt ChatGPT auf dem Handy, halt oder irgendeine andere Funktionalität im Internet. Vielleicht nutzen die auch schon eine Microsoft, äh, Copilot-Funktion, um halt den Brief an wen auch immer zu schreiben. Äh, und die, die Mitarbeitenden sind: so weit, dass sie sagen: "Ich weiß möglicherweise besser als mein Arbeitgeber, wie das geht", ähm, und projizieren das auch schon auf den Arbeitsplatz. Julian Nachtweh: Die Angst, ähm, den Arbeitsplatz zu verlieren, halte ich zumindest in ihrer Branche für relativ gering in den nächsten Jahren. Man sagt immer so schön, nicht die Mitarbeiter, äh, werden ersetzt durch KI, sondern die Mitarbeiter, die KI nicht nutzen, werden ersetzt. Ähm, aber da mal wegzukommen. Wenn man die Mitarbeiter befragt, was sie halt wirklich an ihrem Job mögen, ja, und, äh, was halt wiederkehrende Tätigkeiten sind, die gemacht werden müssen, halt und die sie abhalten, andere möglicherweise attraktivere Dinge zu machen, um das nach dem voranzutreiben, so kommt man sa, sehr schnell in einen Dialog, wo ich glaube, dass die Angst auch in ihrem Unternehmen nicht spürbar ist und, ähm, im Prinzip mehr Potenziale bietet.

Julian Nachtweh Natürlich werden sie vielleicht ein, zwei Tätigkeitsbilder haben, wo die Kollegen sagen "Okay, wenn das die KI oder der Roboter oder der Agent ersetzt, dann bin ich hier weg." Mag sein, bloß halt die meisten Unternehmen in ihrer Branche sind so nah an ihren Mitarbeitern, dass es nicht darum geht, dass man: sagt: "Okay, sie werden ersetzt durch Technologie und sie verlassen das Unternehmen." Julian Nachtweh: Man findet eine andere Tätigkeit im Unternehmen. Man muss nur mit den Mitarbeitern reden. Stefan Bürger: Das bedeutet aber, es muss einen erheblichen Gesamtproduktivitätszuwachs geben, denn KI ist nicht umsonst. Und, ähm, wir haben in verschiedenen Anwendungen, äh, jetzt tatsächlich schon die Entscheidung getroffen, dass wir KI noch nicht einführen, weil die Tokens, die dahinter liegen, einfach so teuer sind, dass der Mensch vielleicht nicht besser macht. Stefan Bürger: Das kann schon sein, da kommt dieser Qualitätsfaktor mit rein, aber von der Aufwandsseite her die günstigere Lösung ist. Ich erlebe immer mehr, dass die Kosten von KI jetzt auch langsam mit in die Buchhaltung reinlaufen und man sensibler dafür wird. Wie, wie sehen Sie das? Ist das tatsächlich ein Faktor oder wird KI irgendwann, ähm, zu 'ner Massenware, die auch preislich keine große Rolle mehr spielt?

Julian Nachtweh Die KI wird zur Massenware, die Modelle werden günstiger, aber es werden immer teurere Modelle entwickelt. Wenn: Sie jetzt zum Beispiel gucken, was Anthropic gemacht hat mit den großen Modellen, Fable zum Beispiel, das sind große, massive, sehr leistungsfähige Modelle, die sehr teuer sind. Und die meisten Menschen verursachen hier in Unternehmen Kosten, weil sie Modelle nutzen oder AI nutzen- Mit fehlendem Kostenbewusstsein. Stefan Bürger: Ja, das ist genau der Punkt. Julian Nachtweh: Guckt man aber halt, äh, in der internen Governance, wie nutze ich AI? Wie rolle ich AI aus? Für welche Tätigkeiten mache ich das und welche Möglichkeiten gebe ich den Mitarbeitenden? So kann man hier sehr schnell Kosten sparen. Das bedeutet, der größte Hebel, wie schon gesagt, ist, äh, in der AI, also im AI-Umfeld im Backoffice. Julian Nachtweh: So hier reden wir von der, von dem technischen Einsatz von AI, das heißt in Prozessen. Man hält natürlich Human in den Loop, aber viel Tätigkeit von denen, die man tät-- macht, verlagert man an die IT. Das sind technische User, da kann ich sehr genau kalkulieren, was bedeutet optische Erkennung eines, äh, oder Bewertung eines Dokumentes?

Julian Nachtweh Was bedeutet Abgleich einer Rechnung mit dem Auftrag?: So, und da gebe ich den Mitarbeitenden nicht die Möglichkeit zu experimentieren oder zu spielen und unvorhersehbare Kosten zu generieren. Habe ich natürlich, ähm, eine Gruppe von jungen Wilden, möchte ich sie mal nennen. Die sagen: "Okay, super, die GWH hat mir jetzt halt hier ein großes, teures Modell zur Verfügung gestellt und ich gucke mal, was ich damit machen kann", dann können die Kosten hier zwar explodieren, halten sich aber in der Regel auch im Rahmen. Julian Nachtweh: Ähm, man muss nur aufpassen, dass man gerade im Großkonzern nicht jedem alles gibt, weil dann ist das nicht kalkulierbar. Aber in den meisten seriösen Anwendungsfällen, was ich sehe, muss ich sagen, ist der Einsatz von KI auf Dauer, weil sie haben natürlich die Implementierungskosten, ähm, ja günstiger oder ist, sind die Kosten geringer als der, ähm, entsprechend erzielte Nutzen.

Julian Nachtweh Und Sie haben natürlich Skaleneffekte. Ja, eine Plattform einzuführen, hat erst mal Investitionen am Anfang und wenn Sie das halt nach hinten raus nicht skalieren und die Stückkosten pro Einsetzungsfall minimieren, dann gehen Sie hier: möglicherweise in eine Kostenfalle. Aber wenn man das richtig macht und hier möglicherweise auch mit Beratern, muss ich mit einem Spruch sagen. Julian Nachtweh: Da sind Sie Stefan Bürger: wieder, die Berater. Genau. Ähm, aber bleiben wir noch kurz bei dem Thema, äh, Kostenfalle und Kosten von KI. Wir sehen ja unterschiedlichste Anbieter, die jetzt unterwegs sind. Also ChatGPT war so der Opener, ähm, dann tauchte plötzlich Elon Musk auf. Ich kann mich an Groq erinnern, die sind jetzt wieder ein Stück weit verschwunden. Stefan Bürger: Jetzt sind, ist Claude unterwegs. Also eine ganz bewegte, sehr heterogene Marktverfassung, wie sie in so Gründermärkten ja häufig der Fall ist. Wenn Sie so ein bisschen nach vorne gucken, wie werden, wie wird sich das in der Zukunft Ihrer, Ihrer Meinung nach entwickeln? Werden wir uns immer weiter spezialisieren in den KI, äh, angebotenen, die wir haben? Stefan Bürger: Und eine zweite Frage noch: Was ist mit den Chinesen?

Julian Nachtweh Also was die Menge an Anbietern angeht, wird es halt weiterhin vier, fünf, sechs große Anbieter geben. Da spielen die Chinesen übrigens eine große Rolle. Man kennt halt in: den westlichen Sphären natürlich, äh, Google mit Gemini, man kennt ChatGPT, man kennt Claude. Julian Nachtweh: Ähm, dass die Asiaten oder vor allem die Chinesen eigene Modelle haben, halt natürlich mit eigenen Algorithmen und mit eigenem Content, ähm, das wissen viele in Deutschland gar nicht. So. Warum wird es halt hier keine Explosion an Anbietern geben? Weil es de facto zu teuer ist. Ja, wenn Sie halt LLMs selber entwickeln wollen und halt betreiben wollen und die nötige Rechenpower dahinter, ähm, dann ist das einfach zu teuer, ein LLM selber zu entwickeln, selber zu betreiben und dann so auszurollen, dass weltweit Millionen von Anfragen pro Minute, ähm, verarbeitet werden können. Julian Nachtweh: Und somit gibt es halt die großen Tech-Konzerne, die das halt machen. Ähm, und man sieht auch, ich sage mal, große Player, die es versucht haben und sehr schnell davon weggegangen sind, eigene AI, ähm, Technologien zu entwickeln und auf die großen zurückgreifen. Stefan Bürger: Mhm.

Julian Nachtweh Ähm, betrachten wir halt aber den, den Markt ein bisschen weiter und trennen uns von den: technischen LLMs und der Anwendung selber, ist ja die Frage: Wie nutze ich sie und mit welchem Content und mit welchen Anwendungsfällen gehe ich da rauf? Julian Nachtweh: Und hier wird man sehen, dass sich halt die, ähm, Art und Weise, welches Modell oder welche Technologie ich nutze, stark differenziert, ähm, von Unternehmen zu Unternehmen. Sie haben Claude angesprochen. Claude nutzen wir auch, ähm, bei uns im Hause, einfach um schneller und besser zu entwickeln. Ja, ähm, Claude Code ist in vieler Munde. Julian Nachtweh: Halt nutzen wir selbstverständlich, weil Keiner programmiert schneller als halt ein hoch ausgebildetes Cloud-Code-System, was halt eine Programmiersprache besser beherrscht, auch mit den neuesten Standards als viele Entwickler. Halt wenn es darum geht, Altcode, ja, so was wie Cobol, zu eben entsprechend abzulösen, zu analysieren und es neu zu, ähm, neu zur Sprache zu führen. Julian Nachtweh: Halt, das kriegt kein Entwickler hin. Ja, gerade so Cobol-Entwickler sind manchmal sechzig oder siebzig plus. Stefan Bürger: Mhm. Julian Nachtweh: Code, äh, der Code ist nicht dokumentiert und da nutzt man natürlich AI. Stefan Bürger: Mhm.

Julian Nachtweh Ähm, anderes Anwendungsbeispiel, was wir auch regelmäßig machen, ist, ähm, man: hat damals in den Beratungsprojekten oftmals die Junioren gehabt, um Protokolle zu schreiben. Julian Nachtweh: Das kennen Sie vielleicht noch. Stefan Bürger: Ja. Julian Nachtweh: Macht man heutzutage auch nicht mehr. Man lässt, sofern halt die Regularien das zugibt, ähm, halt ein, ja was weiß ich, äh, Mikrofon mitlaufen halt und fasst dann das Transkript zusammen und hat dort, ähm, dann das Protokoll binnen von wenigen Minuten, wenn man es noch mal qualitätsgesichert hat und muss es halt nicht, ich sag mal, mit drei, vier, fünf, acht Stunden schreiben lassen. Stefan Bürger: Damit entsteht aber eine Falle für das Unternehmen, für uns alle, denn wir haben gerade über China gesprochen und, äh, über die großen Anbieter, die meistens ja aus US kommen. Ähm, nicht zum ersten Mal wurde ja, äh, 'n internationaler Vertrag gekippt und es wurde untersagt, äh, dass ein AI-Produkt in Europa betrieben werden darf. Stefan Bürger: Das heißt also, im Grunde könnten einzelne politische Entscheidungen in der USA dazu führen, dass in Deutschland für vier Wochen kein ChatGPT zur Verfügung steht. Julian Nachtweh: Das stimmt.

Stefan Bürger Das bedeutet, wir sind ja in einer wahnsinnigen: unternehmerischen Abhängigkeit und wir haben bei uns im Haus schon darüber nachgedacht: Wie redundant muss ich denn Prozesse machen, um in einem solchen Worst Case noch arbeitsfähig zu sein? Stefan Bürger: Wie schätzen Sie diese, ja nicht mehr an den Haaren herbeigez-- wir hatten den Sachverhalt vor ein paar Wochen, äh, Haaren herbeigezogenen, ähm, Super-GAU, die Risikosphäre von dem Einsatz von KI ein? Julian Nachtweh: Nicht größer oder kleiner als bei dem Einsatz jeder Technologie. Ja, wir müssen gar nicht erst über AI reden. Julian Nachtweh: Ja, wenn Sie die Cyberrisiken sehen, ja, und halt, äh, das Risiko betrachten, ein, ich sag mal, Cyberkrimineller hackt sich in die GWH, verschlüsselt all Ihre Server und will fünf Millionen in Bitcoins haben, dann haben Sie halt unabhängig von AI ein gleiches Problem. Stefan Bürger: Mhm. Julian Nachtweh: Ähm, wenn Sie halt Daten in der Cloud speichern und haben da keinen Zugriff mehr.

Julian Nachtweh Genau die gleiche Thematik. Natürlich muss man überlegen, welche wesentlichen Kernprozesse des Unternehmens habe ich, ähm, und bin ich in der Lage, diese vollständig manuell zu machen?: Sind Sie heute auch ohne AI in vielen Bereichen schon nicht. Ihr Zahlungsverkehr komplett manuell abzuwickeln, ist auch in Ihrem Haus nahezu unmöglich. Stefan Bürger: Also natürlich, man kann sagen: Hey, wenn der Strom abgeschaltet ist, äh, liegen auch alle eure Prozesse lahm. Äh, oder wenn, wenn Microsoft einen Bug einbaut, wir alle haben bei MS dreihundertfünfundsechzig, äh, dann stehen auch unsere Kom-Kommunikations- und E-Mail-Server alle still. Was hier für mich so, so besonders ist, ist die politische Dimension, ne. Stefan Bürger: Dass man sagen kann, man macht aus politischen Gründen ähnlich wie in der Zollpolitik oder, äh, in anderen vergleichbaren monostrukturellen Entscheidungskompetenzen etwas zu, um andere zu schädigen. Man könnte im Grunde europäische KI-Nutzer schädigen, wenn sie im Wettbewerb mit amerikanischen Unternehmen sind, indem man einfach politisch festlegt, dass die, die KI nicht mehr zur Verfügung steht.

Stefan Bürger Das ist jetzt schon ein Unterschied zu 'nem Hackerangriff, wo ich natürlich über meine Firewalls und über meine Safety, äh, Unions, die ich habe, auch proaktiv agieren kann. Hier bin ich ja noch mal in einem deutlich: politischeren Raum oder überschätze ich das? Julian Nachtweh: Nein, das überschätzen Sie mit Sicherheit nicht, weil Sie haben ja schon erwähnt, es gab in den letzten, ähm, Wochen genug Beispiele- Stefan Bürger: Ja. Julian Nachtweh: -ähm, wo das eingetreten ist. Aber hier sind wir auch unabhängig von KI wieder in Diskussion, ne. Souveräne Systeme, souveräne Cloud ist in Deutschland eins der großen Themen. Mhm. Wird gerade in den regulierten Industrien sehr, sehr stark, ähm, diskutiert, um gerade das zu vermeiden. Und hier geht es halt nicht nur um die Frage: Schaltet man aus USA die KI ab? Julian Nachtweh: Sondern auch die Frage: Sind meine Daten, die möglicherweise noch in Irland gespeichert sind, sicher? Oder können die Amerikaner sagen, äh, aufgrund von dem und dem Act, ja, habe ich jetzt Zugriff auf die Daten von deutschen Unternehmen? Ist das der Grund, halt, äh, sich wieder das Blech in den Keller zu stellen und, äh, wieder alles on-prem zu nehmen?

Julian Nachtweh Geht man halt hier auf Anbieter, die auch möglicherweise aus Deutschland kommen und souveräne Cloud-Systeme anbieten. Das ist 'ne Diskussion. So, da kann man wahrscheinlich einen anderen separaten Podcast von, äh, füllen. Nur was wir sehen, ist, dass viele Unternehmen sich zumindest: Exit-Szenarien überlegen und Pläne dafür haben, wenn irgendwas passiert und das Risiko nicht mehr tragbar ist, was ist der Plan B und wie kann ich mich von einer jetzigen Technologie lösen? Stefan Bürger: Sehen Sie europäische oder, äh, im Speziellen deutsche Anbieter, die dort in, in, in Schlagnähe kommen können? Na, die Schwarz Group ist ja, äh, zum Beispiel ein Akteur, der da sehr, sehr nach vorne geht. Äh, gibt's da inzwischen, ähm, nicht nur 'ne, 'ne Sensibilität – die haben wir ja nun gerade besprochen. Wenn wir beide sie haben, werden so viele andere auch haben, aber auch auf der Anbieterseite eine Bewegung? Julian Nachtweh: Ähm, also was Cloud Deutsch angeht, äh, ich sag mal Hosting-Betreibermodelle mit Sicherheit. Stefan Bürger: Ja. Julian Nachtweh: Wie eben schon erwähnt, im eine Entwicklung großer, ähm, KI-Technologien sehe ich es einfach nicht, weil ich in Deutschland kein Unternehmen sehe, was so finanzstark ist, um halt wirklich gezielt in diesem Markt jetzt noch zu investieren, ähm, und sich dort realistische und natürlich betriebswirtschaftlich getriebene, ähm, Chancen auszurechnen. Stefan Bürger: Der Zug ist doch auch vorbei, oder? Der Zug Julian Nachtweh: ist vorbei.

Stefan Bürger Ja, sehe: ich genauso. Ja, eine wirklich 'ne, 'ne schwierige Situation und eine unternehmerisch ganz neu zu bewertende, äh, Risikolage. Wir selber, ähm, haben uns in der Tat dazu entschieden, auf unseren Servern ältere Modelle, KI-Modelle dann einfach fest zu installieren. Stefan Bürger: Das heißt also, wenn sie nicht mehr online verfügbar sind, äh, dann greifst du auf deine Rechnerversion zu und hast zumindest noch so eine Basisausstattung. Das wird so lange gehen, äh, wie die KI-Leistung nicht, äh, dermaßen online getrackt ist, dass ich einfach mit eigenen, mit eigenen, äh, äh, Lagermöglichkeiten in Anführungsstrichen nicht mehr zu Potte komme. Stefan Bürger: Es neigt sich langsam dem Ende und wir merken, wie breit dieses Thema ist und ich greife Herrn Nachtwehe die Idee gerne auf, dass wir zum Thema KI vielleicht gerade insbesondere Weiterentwicklung und das auf weltweitem challengen, denn die chinesischen, äh, KI-Produkte sollen inzwischen auch deutlich besser geworden sein.

Stefan Bürger Da ist ja auch ein Wettbewerb in der Qualität im Rahmen. Und trotzdem möchte ich noch mal darauf, äh, zu sprechen kommen, wie wir in der: Wohnungs in Immobilienwirtschaft am besten uns organisatorisch aufstellen. Denn es ist ja leicht gesagt: Hey, ihr müsst gerade die administrativen Prozesse als Erstes ins Auge nehmen. Stefan Bürger: Die Frage ist ja: Wer macht das? Das kannst du ja in den heutigen Orga-Strukturen, in Linien, Abteilungen, in Verwaltungsstrukturen, die überhaupt gar nie mit so 'nem, mit so, mit so was konfrontiert wurden, umsetzen. Brauchen wir eine andere Orga-Form? Also muss das mehr in Matrix-Organisationen gehen? Müssen da andere, müssen Führungskräfte plötzlich, äh, nicht mehr fachlich über den Mietvertrag Bescheid wissen, sondern eher über die beste Prompting- und Agent-Management-Geschichte? Stefan Bürger: Also was passiert auf der organisatorischen Seite in der Immobilienwirtschaft? Julian Nachtweh: Nun, aktuell ist es noch so, dass die Organisationsentwicklung sich schneller entwickelt als die KI. Stefan Bürger: Mhm. Julian Nachtweh: Das wird sich aber sehr schnell ändern. So und dann haben Sie halt eine Herausforderung. Wenn sich die KI schnell entwickelt, als Ihre Organisation sich entwickeln kann, dann kommen Sie in einen Gap, was Sie irgendwie lösen müssen.

Julian Nachtweh Und dann: müssen Sie an die Organisation ran. Die wir sprechen hier mit Sicherheit von einer Änderung in Ihrem Operating Model. Denn die Frage ist: Wie wird KI ausgerollt? Ja, es ist auf jeden Fall, zumindest meine persönliche Meinung, nicht der richtige Weg. Die IT stellt mal ein bisschen KI zur Verfügung und baut mal ein paar Agenten auf Anfrage. Julian Nachtweh: Man hat diesen typischen, äh, Angebot- und Nachfrageprozess, ne. Man schreibt halt eine Spezifikation, die IT baut das und stellt das irgendwie hin. Dafür reicht die Geschwindigkeit der IT oftmals nicht aus, geschweige denn das Verständnis der individuellen Anforderung. Gerade wenn wir in Richtung agentische Unternehmen denken und den Agenten als Mitarbeiter denken, mal ein bisschen provokativ. Julian Nachtweh: So sollte es perspektivisch dahin gehen, dass die Mitarbeitenden, die halt sinnvolle Prozesse, wo Agenten eingesetzt werden können, selber verantworten, denken, okay, sie bauen sich den eigenen Agenten und, äh, sehen ihn wie als Azubi. Ich bau mir erst mal einen, trainiere ihn. Wenn er Fehler macht, sage ich ihm, was er besser machen kann und passe ihn regelmäßig an.

Julian Nachtweh So, das führt dann in der Organisation dazu und Sie haben das Thema Hub-Modelle schon angesprochen, wo man: genau über diese Modelle nachdenken muss. Man hat halt den Kern des Hubs, das sind halt die Technologiebetreiber, die auch halt sorgen, ich kann halt schulen im Unternehmen. Ja, ich weiß, wie halt wirklich jeder vom Hausmeister bis zum Vorstand KI nutzen kann, wenn er halt, äh, sagt, okay, ich möchte mir einen Agenten bauen, weiß, wie das geht oder im Zweifel mit Hilfe. Julian Nachtweh: Aber dass halt dann die Entwicklung und der Betrieb in der Verantwortung der Agenten-Eigentümer ist, natürlich unter Beobachtung oder unter klaren Prozessen, klaren Richtlinien im Unternehmen. Ähm, denn ein Thema, was in Ihrer Branche hart diskutiert wird, ist ja auch das Thema Mieter Scoring. Ja, also halt, äh, wenn's halt da in Richtung, äh, EU AI Act geht, ja, und, äh, soziale Bewertung, äh, mithilfe von AI, ja, da sind wir in einer sehr restriktiven Umgebung und da muss man halt drauf aufpassen, dass so was zum Beispiel nicht passiert.

Julian Nachtweh Aber wenn Sie sagen, Sie halten Ihre Unternehmung so wie heute, dass Sie sagen, Sie haben die Fachbereiche und die IT und die arbeiten nebeneinander, das wird auf Dauer nicht: funktionieren und da werden Sie Geschwindigkeit verlieren. Stefan Bürger: Und was Sie gerade dargestellt haben, zeigt ja auch, dass noch mal eine ganz andere Führungskompetenz notwendig ist. Stefan Bürger: Denn über das Anwenden von Agenten, äh, und dem Führen von Agenten, da brauche ich ja nicht nur mal eine Schulung und dann kann ich das, sondern so was muss ja als Selbstverständnis im Unternehmen etabliert werden. Also HR muss anfangen, anders zu hantieren. Die IT ist nicht mehr die IT, sondern sie ist plötzlich sehr viel prozessorientierter, ne. Stefan Bürger: Das Ganze braucht doch aus meiner Sicht auch neue Führungsfunktionen. Oder schätzen Sie das anders ein? Weil der Entscheider kommt ja nicht aus der Fachlichkeit oder aus dem Umsatz, den er verantwortet, sondern er kommt ja immer mehr dann auch aus der digitalen steuernden und prozessualen Welt. Julian Nachtweh: Sie haben insofern Anforderungen an die Führungskräfte, dass sie für die Mitarbeiter Fort- und Weiterentwicklung sorgen müssen.

Julian Nachtweh Das heißt, dass sie halt frühzeitig denken müssen Wie entwickle ich meine Workforce, meine,: meine Gruppe an Mitarbeitenden? Wo stehe ich heute? Was sind die Anforderungen in Zukunft? Kann ich die bestehenden Gruppen an Mitarbeitenden ausbilden in neue Rollen? Gibt es Skills, die ich definitiv nicht im Unternehmen habe, die ich frühzeitig hiren muss? Julian Nachtweh: Und, äh, was mache ich mit den Mitarbeitenden, wo ich sage, da weiß ich schon, die gehen diesen Weg nicht mehr mit. Ähm, das ist halt eine neue Art zu denken, die-- Na, ich will korrigieren, nicht neue Art, aber eine Art zu denken, wo Sie 'ne höhere Geschwindigkeit an den Tag legen müssen und wo Sie halt die richtigen Führungskräfte brauchen, wie in allen Bereichen. Julian Nachtweh: Ähm, spannend ist aber auch die Frage: Wie nutzen Sie AI in, ähm, HR, ja, um halt die jetzige Mitarbeitendenmenge, die Sie haben, zu bewerten auf Fähigkeiten. Ja, weil viele Unternehmen wissen gar nicht, wie viel AI-Fähigkeiten haben sie schon im Unternehmen, geschweige denn, wo sitzen sie und wie kann ich diese halt nach vorne bringen?

Julian Nachtweh Weil ich hab vorhin schon von den jungen Wilden geredet. Die haben sie auch in ihrem Hause, ja, die halt möglicherweise in ihrer Freizeit schon Dinge mit AI machen,: von denen Sie und ich keine Ahnung mehr haben. So, aber die zu identifizieren und auch nach vorne zu bringen und halt in diese Pulse reinzubringen, weg von der puren Linienorganisation hin in diese Hub-Strukturen, das wird mit Sicherheit die größte Herausforderung. Julian Nachtweh: Und da brauchen Sie Führungskräfte, die diesen Prozess zulassen. Das heißt, die keine Angst haben ihre eigene Führungsrolle und, ähm, wegkommen von dem Gedanken, ich muss besser sein als meine Mitarbeitenden, sondern eher genau das umdrehen und sagen: Ich bin froh, wenn ich einen Pool an Mitarbeitenden habe, die in den Disziplinen gebraucht sind, besser sind als ich. Stefan Bürger: Das ist ein schönes Ende, denn wir kamen mit der Frage: Brauchen wir noch Mitarbeiter, äh, wenn KI eingesetzt wird und wir enden damit, dass wir Mitarbeiter brauchen, die allerdings anders ticken und anders, ähm, sich einbringen und mit 'nem anderen Verständnis damit umgehen als vielleicht in der Vergangenheit.

Stefan Bürger Also von allen Seiten her 'ne sehr herausfordernde Aufgabe. Danke. Das war Julian Nachtweh, Partner von Deloitte. War ein tolles, sehr interessantes Gespräch und ich bin mir sicher,: wir hören uns noch mal in Sachen KI. Danke, dass Sie da waren. Julian Nachtweh: Sehr gern. Jederzeit wieder.

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