Was entscheidet darüber, ob ein Raum wirkt, Herr Holzhauer?
Shownotes
Holzhauer, der mit dem Renthof Kassel und dem Grieschäfer in Bad Emstal zwei vielbeachtete Häuser verantwortet, vertritt eine klare These: Wohlfühlen ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis konsequenter gestalterischer Entscheidungen – von der Wahl des Fußbodens bis zur Auswahl jeder einzelnen Tapete. Die empathische Perspektive auf Räume ist für ihn nicht Gegensatz zur ökonomischen Logik, sondern deren Voraussetzung.
Das Gespräch berührt Fragen, die für die Wohn- und Immobilienbranche strategische Relevanz haben: Wie wirkt Ästhetik auf das Verhalten von Nutzern? Warum zahlt sich hochwertige Gestaltung auch betriebswirtschaftlich aus? Und was können Wohnungsunternehmen von der Hotellerie lernen, wenn es darum geht, Räume nicht nur funktional, sondern erlebbar zu machen?
Eine Folge für alle, die Immobilien nicht nur verwalten, sondern gestalten wollen.
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Stefan Bürger: Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Wohngefühl und heute mit einem ganz besonderen Blick auf die Wohn- und die Immobilienbranche. Wir haben nämlich einen Gastronomen bei uns. Ich freue mich, dass Rainer Holzhauer hier ist, der, ja was soll ich sagen, das Herz des Griesschäfers. Stefan Bürger: Wir sind gerade in Kassel und jeder kennt zum einen Ihren Betrieb oder Ihre Betriebe und zum zweiten auch Ihre Passion dafür, guter Gastgeber zu sein, aber auch Herbergsvater in Anführungsstrichen, denn Sie haben ja auch Hotels. Also mithin verbindet uns, dass wir Menschen ein Dach über den Kopf geben. Stefan Bürger: Herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind. Rainer Holzhauer: Vielen Dank. Schön, dass ich hier sein darf. Stefan Bürger: Herr Holzhauer, wenn wir, ähm, auf das Thema gucken Wohnen, dann ist das 'ne super emotionale Sache. Ich glaube, das nimmt man sich gar nicht so richtig vor Augen, aber das Dach über dem Kopf, die Sicherheit und die Geborgenheit ist eigentlich die Basis von unserem Leben.
Stefan Bürger Ist das auch aus Sicht eines Hoteliers so oder ist das da eher so 'n bisschen auch mehr so die Entertainment, die: Luxury, weiß nicht was, Feelgood-Schublade? Rainer Holzhauer: Also ich als Person liebe ja Wohnen. Ja. Das heißt, äh, ähm, Wohnen steht bei mir ganz, ganz, ganz oben, also privat. Und, äh, äh, und das nehme ich natürlich auch in meinen Job mit rein. Rainer Holzhauer: Und Sie, Sie kennen ja jetzt den Renthof in Kassel. Stefan Bürger: Ja. Rainer Holzhauer: Ich weiß nicht, ob Sie den Gries Schäfer in Bad Ems auch zum Wohnen kennen. Und, äh, ähm, das sind beides Häuser, wo unglaublich viel Herz mit reingeflossen ist. Das heißt, ähm, wo wir das, wo wir den Renthof zum Beispiel ausgebaut haben, das ist ja 'n altes ehemaliges Kloster gewesen- Mhm. Rainer Holzhauer: -war zum Schluss 'n Altenheim. Und, äh, äh, wie fasst man so was überhaupt an? Stefan Bürger: Mhm.
Rainer Holzhauer Und dann kann man so was bauen, indem man sagt „Okay, wie viel Zimmer kriege ich rein? Wie viel Quadratmeter kann ich mit Zimmern ausfüllen? Und wie viel Geld möchte ich da rein investieren?" Mhm. Die, die, der Anspruch war halt, 'n: unglaubliches, äh, Wohlgefühl zu schaffen. Stefan Bürger: Also Sie kamen ganz auch so von 'ner empathischen Sicht auf das Ganze. Rainer Holzhauer: Nur. Stefan Bürger: Nur? Rainer Holzhauer: Nur. Stefan Bürger: Ist das ökonomisch dann- Ja. -also funktioniert das ökonomisch? Ja. Oder funktioniert's vielleicht ökonomisch, weil man es von der empathischen Seite projektiert? Rainer Holzhauer: Also meiner Ansicht nach und alles, was wir eigentlich tun in unseren ganzen Location und in der ganzen Gastronomie, kommt erst immer, ähm, Wohlgefühl. Rainer Holzhauer: Wann fühle ich mich wohl? Mhm. Wie schaffe ich das, dass der Gast, egal wo er ist, es als Zuhause oder zumindestens oder vielleicht sogar noch als schöneres Zuhause erleben kann. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Also du musst zu uns reinkommen und musst dich wohlfühlen. Du musst zu uns reinkommen und musst dich willkommen fühlen. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Du musst zu uns reinkommen und sagen: „Boah Eigentlich möcht ich hier gar nicht mehr weg. Stefan Bürger: Mhm.
Rainer Holzhauer Und wo wir den Renthof geplant haben, wo wir den Renthof entdeckt haben, jede einzelne Etage, das ist ja 'n Gebäude aus'm dreizehnten: Jahrhundert, sechzehntes Jahrhundert und, äh, äh, ein Flügel ist auch im Krieg zerstört gewesen. Rainer Holzhauer: Mhm. Das ist 1960 dann neu geschaffen worden und aber 'n Altenheim, Linoleum, Geruch nach Urin noch so 'n bisschen im Haus und so was. Aber 'n unglaublich schönes Gebäude. Und wo wir das dann entkernt haben, ist halt ganz, ganz viel rausgekommen. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Und, äh, das Haus ist unglaublich schön. Was heißt schön? Stefan Bürger: Also sch-schön zu definieren ist ja total schwierig. Stefan Bürger: Was ist für Sie Rainer Holzhauer: schön? Für mich ist schön, wenn ich in Gebäude reinkomme und es kann mich abholen, es berührt mich. Stefan Bürger: Ah Rainer Holzhauer: ja. Und schön ist, ähm, wenn ich keine glatten Oberflächen habe, wenn ich f-- Oberflächen habe, die, äh, äh, Laminat und Holzfußboden sehen sich sehr, sehr ähnlich. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Aber es gibt 'n ganz, ganz anderes Wohngefühl. Stefan Bürger: Mhm.
Rainer Holzhauer: Und bei uns ist in jedem Zimmer gibt's 'n, ähm, Holzfußboden, Eichenparkett, 'ne Eichendiele, die bei uns hier aus dem Habichtswald kommt. Stefan Bürger: Ah. Rainer Holzhauer: Ne? Und das transportieren wir gleich wieder Habichtswald rein. Also wir sind hier zu Hause. Was kann uns hier die Natur geben, was wir hier wieder reinmachen können? Rainer Holzhauer: Die Steine, ähm, sind aus 'm Steinbruch von hier. Das ganze Haus ist aus Sandstein gebaut oder die Balken von hier. Und so geht's eigentlich insgesamt weiter. Stefan Bürger: Nehmen Sie wahr, dass Ihre Gäste, so wie auch unsere Mieter, wenn wir modernisieren und wenn wir versuchen, unsere Immobilien ins Heute zu holen, ist das eins meiner ganz wichtigen Ziele. Stefan Bürger: Aber nehmen das die Menschen sensibel wahr? Also meine Mieter tun das. Also wir messen das natürlich auch mit Zufriedenheiten. Wie ist das bei Ihnen? Rainer Holzhauer: Also wir haben zum Beispiel keine Klimaanlage im Haus. Stefan Bürger: Mhm.
Rainer Holzhauer Und die Leute nehmen's in Kauf, weil's so Weil: sie auch empfinden, man zerstört was durch die Klimaanlagen. Rainer Holzhauer: Das, das Haus wird, kriegt 'ne andere Note dadurch. Und, äh, die Leute kommen rein und das ist so unglaublich schön zu sehen, dass Kinder, die hier reinkommen, sich total wohlfühlen oder achtzig, neunzig-Jährige, die hier reinkommen und sich total wohlfühlen. Also die Spanne zwischen alt und jung, ähm, das zu schaffen, dass so ein Wohlfühl, ähm, ne, der, der Bauch wohlig ist, dass man reinkommt und sagt: "Toll, ich weiß zwar nicht warum, aber es gefällt mir." Stefan Bürger: Also es gibt da im Grunde 'ne Ebene, die wir nicht direkt analysieren können, aber die was mit uns macht. Das kennen wir alle. Ähm, jetzt haben Sie so 'n Blick auf Gebäude und auf Architektur und auf Gestaltung. Wir sitzen hier in sehr schön auch eingerichteten Zimmern. Alles hat 'n ästhetischen Kontext miteinander.
Stefan Bürger Äh, wie haben Sie sich das erarbeitet? Äh, ist das geschaffen?: Ähm, oder sind Sie, haben Sie es studiert? Also wie, wie kriegt man so 'n Blick auf 'ne Immobilie? Rainer Holzhauer: Die, ähm, also das Haus hat uns sehr viel geschenkt. Es hat uns die Form von jedem Zimmer vorgegeben. Das hat uns die, äh, äh, die Richtungen vorgegeben. Rainer Holzhauer: Die hatten-- Das Haus hat uns eigentlich dazu gebracht, es so zu lassen, wie's ist. Also versucht, keine Veränderungen zu machen. Wir haben Räume, die würde ein normaler Architekt eher als Besenkammer oder irgendwas. Ist zu aufwendig, da wirklich was raus zu machen. Wir haben Räume, wenn Sie da 'ne Murmel drauflegen würde, die auf jeden Fall in eine Richtung, äh, gehen.
Rainer Holzhauer Oder man hat Angst, aus dem Bett zu fallen, weil das einfach so gelassen worden ist, keine Begradigungen gemacht und so was. Und, äh, äh, gestalterisch war der Architekt, den wir hatten, das ist 'n guter Freund von mir, der, äh, wir gehen zusammen, also wir gehen getrennt in 'n Laden,: um Fliesen auszusuchen und wir kommen mit der gleichen Fliese raus oder mit dem gleichen Material. Rainer Holzhauer: Das war schon mal sehr einfach, ähm, das zu gestalten und die Kirstin, ähm, Kleinkauf, die, ähm Die ist Architektin, das ist meine Mitinhaberin damals gewesen oder immer noch. Und wir haben zusammen das gestaltet und die kam von der Architektenseite und ein bisschen strengeres Auge da drauf. Also die hat dann noch mal wirklich geguckt, dass der Joachim und ich nicht weggaloppieren. Rainer Holzhauer: Die hat dann noch mal gesagt: "Hier vorsichtig, wir übertrei-treiben's jetzt und wir bringen jetzt was rein, was nicht passt." Die hat wirklich, wirklich dazu beigetragen, dass das insgesamt am Ende rund Stefan Bürger: ist,
Rainer Holzhauer ne. Dass wir denken so. Und, ähm, jede Tapete, die hier drin ist, ist ausgesucht. Ne, jede Tapete, ähm, haben wir nicht irgendwie aus dem Internet geholt oder so, sondern: angefasst. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Ne? Sie können hier über die Tapete, gerade in dem Zimmer zum Beispiel, fassen Sie über die Tapete und Sie sehen nicht nur den Druck, sondern Sie fühlen ihn auch. Stefan Bürger: Eine Haptik dahinter. Rainer Holzhauer: Das ist eine Haptik. Und wenn Sie über unserem Fußboden sind, wissen Sie nicht, ist der jetzt zehn Jahre drin oder ist der eigentlich schon zweihundert Jahre hier drin. Stefan Bürger: Ja. Rainer Holzhauer: Und das ist das, was so, was so schön macht. Stefan Bürger: Wenn-- Oder andersrum: Wir haben als GWH einen Slogan, der heißt "Räume zum Leben". Rainer Holzhauer: Ja. Stefan Bürger: Wir sind ja oder Sie als Gastronom, als Hotelier sind ja für Räume zum Leben verantwortlich. Ist es aber am Ende dann nur das Material oder gehört für Räume zum Leben oder Dach über den Kopf, viele von unseren Sprichwörtern sagen ja im Grunde schon, was Wohnen so an Bedeutung hat. Stefan Bürger: Gibt's darüber hinaus noch Wichtiges?
Rainer Holzhauer Also Materialitäten finde ich ganz, ganz wichtig. Und wo natürlich auch, wo steht das? Machst du das Fenster auf und sofort die Straßenbahn ist da. Äh, wie kriegst du das weg? Da: muss man sich schon Gedanken drüber machen, ne, was Schallschutz oder, oder, oder ist. Und ich glaube aber, für jeden einzelnen Mensch gibt es natürlich, äh, Prioritäten, ne. Rainer Holzhauer: Ich wohne aufm Land, äh, und nicht nur aufm Land, ich wohne aus der Ortschaft raus und ich wohne halt für mich eigentlich komplett isoliert in der Natur. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Das ist meins. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Meine Tochter möchte unbedingt richtig in der Stadt wohnen. Meine kleinste Tochter, die ist jetzt vierzehn wird die, die möchte in Barcelona wohnen, also wo es ganz viel drumrum ist. Rainer Holzhauer: Internationalität auch. Internationalität und wo's laut ist und so. Aber trotzdem braucht man natürlich da auch für sich 'ne, 'ne kleine Oase. Und das sind Wohnungen oder das ist ja das, was Sie machen. Sie schaffen ja auch, glaube ich, schöne Wohnungen. Stefan Bürger: Genau, das ist unser Anspruch, mit Ästhetik zu arbeiten.
Stefan Bürger Weil ich fest davon überzeugt bin, dass Ästhetik diesen Effekt, den Sie gerade angesprochen haben, den man nicht genau: beschreiben kann, aber der sich im Bauch abspielt, adressiert. Und, ähm, man sieht an einem Beispiel, was ich geben kann, äh, dass da auch, äh, am Ende sogar ökonomische Folgen da sind. Denn wenn wir Graffiti oder sonstige beschädigte Flächen mit edlem Material überarbeiten, werden sie, also ich kann's, kann mich nicht entsinnen, nicht mehr verschmiert. Stefan Bürger: Sie werden Angemessen behandelt, weil die Person, ähm, sieht, hier hat sich jemand Mühe gegeben, hier ist etwas werthaltig und diese Botschaft führt dann zu einer gewissen, wie soll ich sagen, Ehrfurcht ist jetzt übertrieben, ne, aber man wertschätzt es und dann ist das Graffiti vielleicht, weiß ich, fünfhundert Meter weiter bei, bei einem Rainer Holzhauer: anderen Unternehmen. Rainer Holzhauer: Ja, aber sie haben so 'ne tolle Fassade, dass das Graffiti, was da draufkommt, vielleicht richtig zur Geltung kommt. Oder das. Es ist ein Kunstwerk. Ne, das muss ja nicht unbedingt sein, dass ein Graffiti nur Schmiererei ist, sondern sind ja ganz oft auch Kunstwerke. Und wenn das aber den richtigen Hintergrund hat- Stefan Bürger: Ja.
Rainer Holzhauer -dann kommt's: als Kunstwerk raus und kommt's auf irgendwie 'ne versiffte Fassade, dann ist es auch ein versifftes Graffiti. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Und das ist halt irgendwie die Kunst, dass man's wirklich dreht. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Und dass, äh, man Räume schafft, wo man sich wohlfühlt. Ich find das unglaublich wichtig. Stefan Bürger: Ja. Rainer Holzhauer: Und, und auch zu Ihrer ersten Frage noch mal zurückzukommen: Lohnt sich das überhaupt, da mehr Geld reinzustecken wie 'n Bett und, äh, 'n Schrank und 'n Raufaser? Rainer Holzhauer: Ja, ne, das Geld kommt absolut zurück, weil die Menschen das spüren. Und ich glaub, das ist in Ihrem Job ganz genauso. Stefan Bürger: Ist ein nicht in einem BWL-Buch stehende Behauptung, die Sie gerade formulieren, aber die ich in weiten Teilen unterschreibe. Wenn wir den-- unser Gespräch noch eine Schraube weiterdrehen wollen, müssen wir aber jetzt noch mal auf die Menschen gucken, die Sie ja beherbergen als Hotelier und die mit, mit ihrer Unterschiedlichkeit ja mit dem Gebäude auch umgehen, wie sie umgehen wollen.
Stefan Bürger Also ich bin jetzt in 'n: Hotelzimmer gekommen, das war noch nicht fertig gemacht. Dann hatte mir den, hatte mir den Schlüssel, äh, vorzeitig in die Hand gegeben. Da hab ich gedacht: „Du liebe Güte", das hat, hat mich schon erschrocken. Wie geht man so damit um, wenn das eigene Haus von fremden Menschen genutzt wird? Rainer Holzhauer: Ja, das ist für mich total einfach, weil ich aus einer Gastronomenfamilie komme. Stefan Bürger: Sie kennen es nicht anders. Rainer Holzhauer: Ich kenne es nicht anders. Also die Tür steht bei uns immer auf und ich kenne es überhaupt nicht, wenn keine Leute reinkommen, sich an meinen Tisch setzen und aus meinem Gläschen trinken oder dann in meinem Bettchen schlafen.
Rainer Holzhauer Also für mich ist das, äh, äh, da, da kommt mein Wohlfühlen raus. Sollte das nicht mehr so sein, dann weiß ich noch nicht ganz genau, wie das dann wird. Und deswegen, es sind halt immer unsere Gäste und das ist halt, glaube ich, auch das Schöne. Und ich glaube, deswegen haben wir es auch so schön gemacht, weil wir sie als Gäste behandeln und als Freunde.: Stefan Bürger: Wenn Sie so zurückgucken und Sie haben ja nicht nur die Hotels, die Sie betreiben, sondern auch ganz spezielle Locations. Zum Beispiel die Kirche, die wir hier haben, die entweiht wurde und die jetzt auch als Location buchbar ist. Wie bekommt man aus solchen Immobilien empathische Orte gestaltet? Rainer Holzhauer: Mit Vision. Rainer Holzhauer: Also einfach mit der Idee. Also die, ähm, ich hab, ich glaube sagen zu dürfen, ein ganz, ganz, ganz gutes Gefühl für Räume. Und ich habe ein ganz gutes Gefühl für Farbe und für Fußböden. Ich liebe Fußböden. Und, äh, äh, und was es eigentlich braucht, eine gewisse Wärme reinzubringen. Und das ist, glaube ich, immer das Allerwichtigste, dass man in Räume Wärme reinbringt.
Rainer Holzhauer Also man muss, egal was das für eine Veranstaltung ist, eigentlich einen Wohlfühlort schaffen. Und das hat was damit zu tun, glaube ich, in meinem Hirn, ähm,: wie, wie stelle ich Tische? Wie ordne ich Tische an? Was mache ich daraus? Und wie gibt das am Ende ein Gesamtbild? Also es gibt, ähm, Menschen, also zum Beispiel im Schlösschen Schönfeld, was wir, wo wir auch Veranstaltungen machen dürfen, ähm, da gucken sich die Bräute, da ist hauptsächlich Hochzeiten und die gehen da raus und sagen uns: „Ich möchte auf gar keinen Fall, dass die Stühle da drin stehen bleiben. Rainer Holzhauer: Die stören mich. Die sind grün und braun gemischt." Und das ist aber ein ganz wunderbarer Stuhl. Und, äh, äh, und für mich gehen die absolut und für die manchen Menschen geht das nicht. Aber sie sehen nicht das Große und Ganze. Wenn man nachher den, den Stuhl am eingedeckten Tisch sieht, wenn man die Menschen sieht, die da reinkommen, das Lachen dazu kommt und alles, ähm, wird der Stuhl am Ende überhaupt nicht mehr wahrgenommen.
Rainer Holzhauer Das sind Sachen, die: kann man, die, die gucken sich weg, sagen wir gerne. Stefan Bürger: Ah. Rainer Holzhauer: Ne? Und, äh, und dann gibt's wiederum Sachen, die mir unglaublich wichtig sind, äh, weil die was mit der, mit dem Wohlfühlen wirklich zu tun haben. Und das ist zum Beispiel Fußboden. Stefan Bürger: Mhm. Ist Holz da eine besondere Leidenschaft von Ihnen, der Holzfußboden? Rainer Holzhauer: Holz ist eine besondere Leidenschaft, ähm, aber es geht auch ein Steinfußboden oder eine Fliese, aber das darf nie kalt sein. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Also- Stefan Bürger: Vom Farbton her, meinen Sie? Rainer Holzhauer: Nicht nur vom Farbton, auch von der Beschaffenheit. Also was ganz, ganz Glattes und was Abweisendes. Also was wasserabweisend und wasser-, ne, also so, wo Sie sagen, ey, clean ist ganz schwer, ist ganz schwer. Rainer Holzhauer: Ähm, da, da gehen auch die ganzen Emotionen, äh, kommen auch wieder zurück und alles, ne. Also die-- ein Fußboden muss das aufsaugen können.
Stefan Bürger Mhm. Was da passiert. Ja, schon fast ein: philosophischer Blick auf einen Fußboden, wenn man sagt, der muss das aufsaugen. Aber man kann sich sofort mit dem Bild, äh, was vorstellen. Stefan Bürger: Ja, Rainer Holzhauer: ne. Und wenn Sie, ähm, also Sie haben ja, wenn, wenn, wenn wir 'ne Räumlichkeit haben, wenn Sie ein Fest gestalten wollen oder, oder, kommen ja ganz viele verschiedene Menschen da rein. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Und alle haben einen gewissen Anspruch und alle haben 'ne Idee dazu. Und ganz viele finden das zwar toll, was Sie machen, aber es gibt auch Menschen, die finden das wirklich nicht gut. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Und trotzdem müssen Sie das immer unter einen Hut kriegen. Und da hilft's uns unglaublich, wenn man, äh, Räume gestaltet hat, die das schon aufsaugen, die einfach sagen: „Okay, ähm, da ist 'ne Aggression“, aber bei uns ist es hier der Samtvorhang oder der Fußboden oder der Teppich oder so was Warmes. Die nehmen so was total gerne auf und nachher ist es nur noch halb so aggressiv.
Rainer Holzhauer Und wenn dann die anderen Leute noch gut drin, wird's auf einmal eine total tolle Veranstaltung. Und ich wette mit: Ihnen, dass in einem Saal ohne Herz, also wo einfach Tische drinstehen, Stühle drinstehen und wie früher ganz oft Dorfgemeinschaftshäuser oder so- Stefan Bürger: Mhm ... Rainer Holzhauer: Dings gebaut worden sind, einfach quadratisch, praktisch, gut, da knallt das alles zurück und dann kippt das. Stefan Bürger: Wenn Sie auf solche Räume schauen, ähm, machen Sie das für sich alleine? Also ist das so, ist das, hat das so was Meditatives? Rainer Holzhauer: Ja. Das mache ich mit mir alleine. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Und die anderen lassen mich. Stefan Bürger: Ja. Ja, ähm, muss man sagen, die, äh, Akzeptanz dessen, was Sie tun, zeigt ja, dass Sie augenscheinlich 'ne Passion dafür haben und, und 'ne Begabung dafür haben, denn die Räume, äh, die Sie erschließen und ermöglichen, entfalten ganz un, auch ganz unterschiedliche Wirkungen teilweise, ne.
Stefan Bürger Und auf 'ner Hochzeit hat man natürlich ein anderes, ein anderes Vis-à-vis als auf 'ner Fete oder 'ner Party. Äh, es braucht ja auch immer, finde ich, ganz, so ganz besondere Accessoires: Rainer Holzhauer: Das Galamäßige, was einfach der Leuchter und die, d-d-der, der Stoff bringt. Und dann gibt's auch noch 'ne Leinwand und 'n Beamer und die Kühle, die eigentlich einen Tagungsraum braucht. Und alle drei, ob das jetzt Tagung ist, Hochzeit ist oder ob das ganz normal als Restaurant eingerichtet ist, alle fühlen sich dort wohl, weil jeder sich so wiederfindet. Rainer Holzhauer: Hab ich jetzt einen ganz normalen klassischen Tagungsraum eingerichtet, finden die Tagungsleute das okay. Die sehen da auch nichts anderes wie einen Tagungsraum. Die haben auch nichts anderes bestellt, aber haben auch kein anderes Empfinden dabei. Aber man kann überhaupt kein Fest da drin feiern. Hast du aber den Festsaal, wo die Tagungssachen drin sind und das stimmt trotzdem alles, fühlt sich auch eine Tagung sehr viel wohler.
Rainer Holzhauer Ne, also solche,: solche Sachen. Und ich glaube, das kann, kann ich, äh, oder, oder kann ich mit Leichtigkeit machen, weil ich's einfach, ähm, ich bin jetzt einundsechzig Jahre, ich hab's gelebt. Also ich hab das einfach erleben dürfen, wie reagieren Menschen da drauf und, und, und. Und, äh, äh, ich kann relativ viel Sachen nicht, aber so was kann ich ganz gut. Stefan Bürger: Ja, 'ne tatsächliche Begabung, die mich zu der nächsten Frage führt, welche Bedeutung Licht dabei hat. Denn mit Materialitäten zu arbeiten, ist 'ne steuerbare Größe. Mit Licht zu arbeiten, ist eu-- ist deutlich schwieriger, ne. Weil ich habe die dunkle Jahreszeit, ich hab die helle Jahreszeit, ähm, ich habe Licht, was sich bricht, oder Licht, was mich anschreit. Stefan Bürger: Also wir haben ja in den, in der modernen Architektur Vollverglasungen teilweise. Also da wird ja mit Licht, wie soll ich sagen, fast verschwenderisch umgegangen. Äh, was bedeutet das für Sie?
Rainer Holzhauer Das ist ein wunder Punkt.: Also, ähm, Licht find ich total wichtig, kann ich aber nicht. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Ich finde das unglaublich schwer und ich finde auch die, die Möglichkeiten, die es gibt- Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Die hab ich alle gar nicht erschlossen. Also, äh, ne, wie viel man eigentlich mit, äh, dem, dem Licht spielen kann und den Lichtkörpern und, und, und. Und dann, äh, äh, was schrauben Sie da rein, ne? Und, äh, wie warm ist das Licht? Wie kalt ist das Licht? Ich kann das empfinden, aber ich kann's leider selber so schlecht irgendwie wirklich arrangieren. Rainer Holzhauer: Ich finde Licht unglaublich schwer. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Es gibt Menschen, die können das ganz, ganz gut und es ist unglaublich teuer. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Ne, also wirklich gutes Licht herzustellen, ähm, ist, ist wirklich schwer. Ich hab 'n gutes Auge für den Lichtkörper. Stefan Bürger: Mhm.
Rainer Holzhauer Aber was da reingeschraubt werden muss und wie das auf den Tisch fallen muss und so was, das ist: noch mal 'ne Philosophie für Stefan Bürger: sich, Rainer Holzhauer: ähm, die ich für mich immer noch nicht oder was sich mir noch nicht so richtig erschlossen hat. Stefan Bürger: Lassen Sie uns noch, ähm, kurz über das Staffieren von Räumen reden, weil es gibt ja, es gibt so zwei, zwei große Schulen. Das eine sind die harten Oberflächen und die kahlen Räume mit, ähm, genau, genau platzierten Körpern. Da ist dann eine Vase in dem ganzen Raum und die steht an einer Stelle, weil nur da wirkt sie auch. Stefan Bürger: Ähm, und dann gibt es die Patchwork-Lösungen, ne, also Räume, die sich ergeben aus allen möglichen Geschichten. Wa-was ist so Ihre Handschrift? Wa-was, was, was würden Sie sagen, ist immer unter der Überschrift Räume zum Leben, äh, was ist so die Handschrift von Ihnen?
Rainer Holzhauer Bei mir ist es so, dass ich sehr gerne Sachen integriere und reinhole in meine Lebensräume,: die augenscheinlich nicht zusammenpassen. Stefan Bürger: Ja, so eine Patchwork-Version. Rainer Holzhauer: Aber wirklich nicht zusammenpassen. Und, äh, jedes einzelne Teil für sich denken Sie: „Boah, hat er denn das jetzt hier aus dem Sperrmüll?", oder, „Wie geht denn das?", oder „Warum ist denn das hier?" Und als Gesamtgebilde gibt's ein unglaublich schönes Bild. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Und Sie können sich's gar nicht vorstellen ohne diese hässliche Vase. Rainer Holzhauer: Oder, ne? Also aber alles ist irgendwie, äh, schon besonders. Für sich alleine hingestellt in so 'nen kühlen Raum, wie Sie's eben gesagt hätte, bricht man vielleicht zusammen. Ich kann's nicht sagen. Also und ich bin halt überhaupt nicht aufgeräumt sozusagen. Stefan Bürger: Mhm. Rainer Holzhauer: Ne, für mich ist das nix, 'ne, 'ne kühle Wohnung, da kann ich ganz schlecht drin leben.
Stefan Bürger Ja. Also wir haben gerade auch wenn's die Gestaltung von Wohnumfeldern geht, in Wohnquartieren, auch die: Erfahrung gemacht, dass Geschichten von Möbeln, in dem Falle sind Stadtmöbel, äh, ja, aber dass Geschichten von Möbeln sehr bedeutsam sind, ne. Das ist der Platz, auf dem wurde immer die und die Feier gemacht, ne. Stefan Bürger: Das ist der Baum, unter dem stand immer diese oder jene, ähm, Schaukel, all solche Themen. Und mit diesen Plätzen ver-verbindet man dann automatisch auch noch Emotionen und Erfahrungen. Das ist ja im Raum nicht anders als außenrum. Also ist im Grunde auch die Geschichte des Gegenstandes relevant? Rainer Holzhauer: Für mich schon. Rainer Holzhauer: Für mich schon. Also für mich hat das 'ne ganz große Geschichte und das ist alles, hier ist nichts, äh, von der Stange gekauft, sondern alles zusammengetragen. Das hört sich jetzt sehr, ich sag mal, unordentlich an oder so, aber wenn Sie zu uns kommen, liebe Zuhörer- Stefan Bürger: Mhm. -
Rainer Holzhauer werden Sie sehen, dass das insgesamt unglaublich schön miteinander: harmoniert. Rainer Holzhauer: Und das ist eigentlich das, was, was mir, mir gut gefällt. Stefan Bürger: Mhm. Ja, ein Gespräch über Tiefen, äh, über Architekturgestaltung und, äh, am Ende das, was Wohlfühlen und nicht nur Wohnfühlen, sondern Wohlfühlen dann auch ausmacht. Danke für diese vielen, wie ich meine, auch sehr sensiblen Blicke auf etwas, was wir in der Wohn- und Immobilienbranche häufig sehr robust vornehmen. Stefan Bürger: Wir bemustern in Katalogen, äh, und wir bemustern mit Farbfächern. Äh, Sie zeigen uns einen ganz anderen Weg und auch eine ganz andere Sensibilität. Danke für das nette Gespräch. Ich Rainer Holzhauer: hab zu danken. Vielen Dank für die Möglichkeit.
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